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Der Höchste Beruf der Lausitz

Reportagen

Was haben Verfahrensmechaniker für Kautschuk- und Kunststofftechnik mit den Windkraftanlagen in den Lausitzer Windparks zu tun? Ganz einfach: Sie bauen diese riesigen Flügel, die weltweit für „grüne“ Energie sorgen. Dass die Ausbildung so gar nicht einseitig ist und echtes Fingerspitzengefühl erfordert, beweist uns Romy Mika.

Romy ist 26 Jahre alt und bereits im 3. Lehrjahr als Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik bei der Vestas Blades Deutschland GmbH in Lauchhammer.

Doch wie ist sie eigentlich zu ihrer Ausbildung gekommen? „Ich wollte schon immer in einem handwerklichen Beruf arbeiten. Deshalb habe ich mich in der Region umgeschaut und bin letztendlich auf meinen jetzigen Ausbildungsbetrieb gestoßen“, erklärt Romy.

Vorurteilen ist die junge Lauchhammerin nicht ausgesetzt, denn knapp ein Drittel der Auszubildenden im Bereich Technik sind Frauen. Das ist auch wichtig, denn Teamwork ist das A und O, wie uns Romy erklärt: „Wir sind im Produktionsbereich in verschiedenen Teams eingesetzt und uns stehen etwa 70 Ausbilder zur Seite, die wir jederzeit um Hilfe bitten können. Andererseits schauen sie uns auch auf die Finger und korrigieren uns, wenn wir z.B. ein falsches Mischverhältnis beim Kautschuk verwendet haben. Dies wirkt sich nämlich auf die Elastizität des Stoffes aus: Zu viel Harz und der Stoff wird zu steif. Zu wenig: Explosionsgefahr! Deshalb lernen alle Azubis in den Einführungswochen u.a. jegliche Arbeitsschutzbestimmungen und Gefahrenstoffe kennen.“

Zum Anfang der Ausbildung war Romy in der Endbearbeitungsphase der Rotorblätter eingesetzt. Aber warum am Anfang der Ausbildung ab zum Feinschliff, wo man noch gar nicht gelernt hat, wie dieses Teil eigentlich hergestellt wird? „Wir durchlaufen den Herstellungsprozess der Flügel quasi rückwärts durch. Der beginnt bei der Endbearbeitung. Dazu gehört z.B. den fertigen Flügel per Hand von Unreinheiten und Farbresten zu befreien. Das ist körperlich keine Schwerstarbeit aber ein gewisses handwerkliches Geschick ist dafür schon nötig. Schließlich arbeiten wir hier auch mit Maschinen. Und wo gehobelt wird, fallen Späne. Dazu ist auch Arbeitsschutzkleidung erforderlich. Außerdem gehören Arbeitsschuhe, Schutzanzug und Schnuffi zu unserer täglichen Ausrüstung.“

Ihr ist dabei vor allem wichtig, dass sie live am Produkt arbeiten kann und nicht nur in einer Lehrwerkstatt an Modellen. Generell sei die Ausbildung sehr vielseitig, so Romy. „Wir lernen den Umgang mit den Werkstoffen (u.a. Glasfaser, Carbon) sowie sämtliche Fertigungsprozesse. Das theoretische Know-How  der Berufsschule bietet da die Voraussetzung für die Praxis. In einem Lernfeld (ähnlich wie Physik) lernen wir verschiedenste Kräfteverhältnisse kennen. Die Flügel der Anlagen dürfen sich z.B. nur 5 kg vom Gewicht her unterscheiden, sonst wird die gesamte Konstruktion instabil. Das hört sich bei einem Flügelgewicht von ca. 12 t wenig an, ist jedoch essentiell.“

Weitere Lernfächer sind technisches Zeichnen, Wirtschafts- und Sozialkunde, der Aufbau von Maschinen, Syntheseverfahren und viele mehr.

„Ihr seht, die Ausbildung hat wirklich viel zu bieten und das auch noch nach fast drei Jahren“ schwärmt Romy. Mit einer Festanstellung nach der Ausbildung kann sie wie jeder Azubi und Student rechnen, verrät uns Ronny Wolter vom Personalwesen. Da die Windenergie noch immer und auch in naher Zukunft als alternative Energie gefragt sein wird, wird Romy auch noch lange Freude an ihrem Beruf haben.

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