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Harte Zeiten für Berufseinsteiger

Ausbildungsfinder

Eine Studie hat die Karrieren von mehr als 2.000 Vorstandschefs ausgewertet. Wer in einer Rezession auf den Arbeitsmarkt kommt, verdient noch Jahrzehnte später weniger.

Tausende Studenten und Hochschulabsolventen reisen auf der Suche nach ihrem ersten Job zu Absolventenkongressen. Dort präsentieren sich die Arbeitgeber auf der Suche nach jungen Fachkräften. Dabei ist momentan ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um in den Arbeitsmarkt einzusteigen – unabhängig davon, wie schnell man einen ersten Job findet.

Denn Beschäftigte, die ihr Berufsleben in einer Wirtschaftskrise beginnen, haben in der gesamten Karriere schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kommen Arbeitsmarktforscher in einer ganzen Reihe von Studien.

Antoinette Schoar und Luo Zuo von der Sloan School of Management des MIT haben die Karrierewege von mehr als 2.000 Vorstandschefs börsennotierter US-Unternehmen ausgewertet. In einer Datenbank haben sie detaillierte Informationen zur Ausbildung, Karrierebeginn, der Zahl der Jobwechsel und dem aktuellen Jahreseinkommen zusammengetragen.

Die Opfer des Abschwungs verdienen weniger

Die Analyse dieser einzigartigen Datensammlung legt ein klares Muster offen: Führungskräfte, die in einer Rezession ihren ersten Job angenommen haben, stehen noch Jahrzehnte später schlechter da als Kollegen, die in wirtschaftlich normalen Zeiten ins Erwerbsleben eingestiegen sind: Die Opfer des Abschwungs verdienen weniger, leiten kleinere Unternehmen und haben in ihrer Berufskarriere weniger lukrative Jobangebote von außen bekommen.

Die Gehaltsunterschiede sind enorm: Firmenchefs, die ihren ersten Job in einer Wirtschaftskrise gefunden haben, streichen pro Jahr rund 17 Prozent weniger Geld ein, stellen die Forscher fest. Die niedrigere Bezahlung lasse sich nicht allein damit erklären, dass diese Manager kleinere Firmen führen, betonen Schoar und Zuo. Das Fazit der beiden Forscher ist daher eindeutig: "Die ökonomischen Bedingungen zu Beginn der Karriere eines Managers haben einen dauerhaften Effekt auf seinen späteren Karriereweg."

Dieses Phänomen gilt nicht nur für Führungskräfte, die es ganz an die Spitze eines Unternehmens schaffen – sämtliche Hochschulabsolventen sind davon betroffen. Dafür spricht eine Studie eines dreiköpfigen Forscherteams um Till von Wachter, Professor an der Columbia University in New York. Die Wissenschaftler nutzten Daten aus Kanada, mit denen sie die Erwerbsbiografien fast aller männlichen Hochschulabsolventen nachvollziehen konnten, die zwischen 1976 und 1995 ihr Examen machten.Wer das Pech hatte, in einer Rezession erstmals auf Jobsuche zu gehen, musste deutliche Einkommenseinbußen hinnehmen: Das Einstiegsgehalt war im Schnitt neun Prozent niedriger. Auch wenn sich die Lage der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt wieder normalisiert hat, bleibt diese Lücke noch jahrelang bestehen.

Karrieren lassen sich nicht planen

Der Zufall beeinflusst die Karrierewege massiv. Forscher, die nach ihrer Promotion in einer Hochkonjunktur zum ersten Mal auf Jobsuche gehen, landen unabhängig von ihren persönlichen Leistungen im Schnitt an einer renommierteren Universität. Und je besser der erste Job, desto steiler auch der weitere Karriereweg.

Wer in schlechten Zeiten mit der Karriere beginnt, habe es schwerer, sein eigenes Können unter Beweis zu stellen, vermuten die MIT-Forscher Schoar und Zuo. Ein deutliches Indiz dafür ist, dass Manager, deren Karriere in einer Krise beginnt, deutlich seltener von anderen Unternehmen abgeworben werden. Wenn es mit dem gesamten Unternehmen bergab geht, ist es für den Einzelnen viel schwerer, mit einer guten Leistung aufzufallen.

Quelle: Handelsblatt, 03.12.2011