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Hard Work Beats Talent!

Afterwork

Für Friedemann Budich ist die Fotografie nicht nur ein Hobby, sondern auch ein Beruf. Was dabei wichtig ist, um aus seinem Talent mehr zu machen und wie er über Studium und Ausbildung denkt, hat er PLANBAR erzählt.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Angefangen hat das alles schon sehr früh. Ich bin in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. Das künstlerische Sehen, Aufnehmen uns sensibel sein für Momente und Situationen war eigentlich schon immer da. Das ist eine Art Grundlage, die schon immer in mir da ist. Ich beobachte und bemerke halt sehr viel um mich herum. Manchmal ist es wie in einem Hollywood-Film, weil ich teilweise schon von Reizen überflutet bin.

Das erste Mal wo ich so richtig mit Fotografie zu tun hatte, war nachdem ich beschlossen hatte, dass Musik nicht so meins ist. Ich habe 6 Jahre lang Trompete gespielt.  Mit dem Kauf der ersten Digitalkamera hat dann alles angefangen. Gemeinsam mit Freunden habe ich dann rumgeknipst und später habe ich mir dann die erste größere Kamera zugelegt. Es war eigentlich ein fortlaufender Prozess. Aber der Grundstein ist eigentlich das Verständnis für das Aufnehmen von Reizen. Dass man sich dann eine Kamera gekauft hat, war nur eine logische Entscheidung.

Hast du dabei viel von deinen Freunden lernen können oder hattest du jemanden, der dir vieles beigebracht hat?

Nein. Es gab zwei Freunde die mich angelernt haben und mich als Pressefotograf auf Konzerte mitgenommen haben. Das hat mir die Grundlagen vermittelt. Aber grundsätzlich habe ich mir fast alles selbst beigebracht. Ich bin zu Workshops gefahren, habe Bücher gelesen und mir DVDs gekauft und habe natürlich viel ausprobiert. Ausprobieren ist dabei das Beste.

 

Auf deiner Website www.artmessenger.org sieht man viele Portrait-Fotos. Hast du dich darauf spezialisiert?

Schon Portrait. Aber mir geht es dabei eher darum, Geschichten zu erzählen. Es muss halt nicht immer ein Portrait sein , um eine Geschichte zu erzählen. Aber es kommt auch immer auf die Aufträge an, die man erhält. Jetzt gehe ich auch in die Richtung Produkt-Fotografie, weil ich mich darin ausprobieren möchte und ich Spaß daran gefunden habe, Sachen zu  arrangieren. Ich werde auch zum Beispiel für mymuesli.com fotografieren. Sonst bin ich eher der unstrukturierte Typ und fotografiere eher das, was ich sehe.  Dabei bin ich aber der Künstler, der Momente einfangen möchte und weniger der, der sich darauf konzentriert, wie Sachen hingestellt werden, damit sie eine bestimmte Wirkung erzeugen. Aber größtenteils sind es Lifestyle-, Portrait-, Sport- und teilweise auch Landschaftsfotografien.

 

Also schränkst du dich in der Fotografie nicht ein?

Bisher noch nicht, aber das wird wahrscheinlich im Laufe des nächsten Jahres passieren müssen, weil ich natürlich eher für das gebucht werde, wo mich die Leute speziell brauchen. Aber ich werde immer in der Künstlerrichtung bleiben  und z.B. Portraits von Musikern oder von Menschen, die mich inspirieren, machen.

Was folgte nach dem Abi? Studium, Ausbildung oder nur die freiberufliche Fotografie?

Nach dem Abi wollte ich nichts bodenloses machen. Es folgte erst einmal eine grundlegende Ausrichtung als Mediengestalter. Das war eine schulisch/betriebliche Ausbildung. Ich kann jedem raten, zuerst eine Ausbildung zu machen, weil die meisten Studenten zwar viel wissen, aber teilweise nur wenig Praxiserfahrung haben. Meiner Meinung nach ist eine grundlegende Ausbildung vor dem Studium immer besser, weil man auch viele wichtige Lebensgrundlagen in der Ausbildung lernt. Die meisten Leute die ich kennengelernt habe haben das auch gebraucht. Ich musste zum Beispiel Geduld lernen. Zum Beispiel einfach Sachen durchziehen und durchhalten. In meinem Bereich ist es aber auch nicht unbedingt so sinnvoll zu studieren, weil die besten Leute einfach die sind, die durch gepowert haben und sich alles selbst beigebracht haben. Von Interesse wäre ein Studium nur, um auch mal in andere Bereiche hinzuschnuppern, wie z.B. Lebensmitteltechnik für Produktfotografien.

Welche Tipps kannst du unseren Lesern geben, wenn auch sie ihr Talent zum Beruf machen wollen?

Harte Arbeit beats Talent! Du kannst noch so talentiert sein, aber wenn du eine faule Socke bist, dann wird daraus nichts! Harte Arbeit ist immer wichtig. Aber die Leidenschaft und das Interesse dürfen nicht fehlen. Wichtig ist auch, sich immer wieder neu zu erfinden. Egal ob in der Fotografie oder in einem anderen Beruf. Schon von Anfang an habe ich immer wieder versucht, erprobte Sachen nochmal neu zu machen. Das heißt aber nicht dass man das Rad neu erfinden muss. Man kann sich auch von anderen Künstlern inspirieren lassen oder kopieren, denn zum Schluss kommt immer etwas Anderes dabei raus. Als grundlegenden Tipp für die Fotografie: Die ersten 1000 Aufnahmen kannst du in Tonne kloppen! Danach wird es besser, auch wenn es zwischendurch immer wieder Flauten gibt. Ich selbst zweifle auch oft an mir, aber die Kritik meiner Freunde hilft und irgendwann ist immer etwas dazwischen, was mich aufbaut und dann mache weiter. Mit der Fotografie ist es wie im Leben, man muss halt wieder aufstehen und darf nicht immer gleich aufgeben. Ich dachte selbst schon einige Male, dass meine Bilder nichts geworden sind und nicht gut genug wären. Versagen ist nichts schlimmes, man muss sich nur trauen zurückzuschauen und manchmal erkennt man sogar, dass sich Rohdiamanten darunter befinden, aus denen man echt was machen kann! Oft werden Rohdiamanten weggeworfen, weil man viel zu schnell wieder aufgibt.

 

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