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Glasmacher: Achtung – heiß und zerbrechlich!

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DAS ist wohl der heißeste Arbeitsplatz in der Lausitz: Im Brennofen des Museumsdorfes Glashütte bei Baruth herrschen um die 1200 Grad Arbeitstemperatur. Gleich daneben steht Christoph Hübner. Der große, kräftig gebaute Mann ist 31 Jahre alt und einer von rund 100 Menschen in Deutschland, die den Beruf des Glasmachers ausüben.

„Einfach gesagt, fertige ich aus einem heißen Glasklumpen nach dem Abkühlen die gewünschte Form. Hört sich leicht an, benötigt aber viel Erfahrung“, meint der Glasmacher.

Gerade fertigt er ein Kreuz für eine Kirchengemeinde. Dazu wird das zähflüssige Glas in eine Form gegossen und bekommt anschließend einen Sockel, auf dem es steht. Wie das ganze aussehen soll, steht in der Zeichnung, nach der Christoph Hübner seine Werke anfertigt. Gefäße wie Vasen, aber auch Schalen, Teller und Hohlkörper bringt der Glasmacher nicht nur in ihre Form – er färbt sie auch ein und verziert sie. „Einfache Werke sind in 15 Minuten fertig. Komplizierte Produkte dauern schon mal bis zu drei Stunden“, weiß Hübner. Und wenn er nicht richtig aufpasst, geht das Glas schnell zu Bruch: „Deshalb ist sehr genaues Arbeiten wichtig.“ Gemeinsam mit seiner Kollegin Stephanie Schulz führt er sein Handwerk täglich auch Besuchergruppen vor, die das Museumsdorf Glashütte besichtigen. Sie können sich dabei unter Anleitung auch selbst als Glasmacher ausprobieren.

Der Beruf des Glasmachers ist selten geworden in Deutschland. Immer mehr Glasprodukte werden nicht in individueller Handarbeit sondern von Maschinen produziert. Doch genau hier liegt der entscheidende Unterschied, schwärmt Christoph Hübner: „Das, was wir hier herstellen, ist nicht das perfekte Weinglas. Es sind kleine außergewöhnliche Einzelanfertigungen, eben echte Unikate.“

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Schon früh hatte er ein Faible für handwerkliche Tätigkeiten, interessierte sich in der Schule für Kunst, Physik und Chemie. Bei seinem Vater, der ebenfalls Glasmacher war, sammelte er erste Erfahrungen: „Ich habe die Ferien auf der Arbeit meines Vaters in einer Glashütte verbracht. Dort durfte ich viel ausprobieren und meiner Kreativität freien Lauf lassen.“ Dabei begann seine Faszination für den Werkstoff Glas. Natürlich habe er sich während der Arbeit mit dem heißen Material auch mal verbrannt. „Blasen an den Händen und Schmerzen kamen häufig vor. Aber mit wachsender Erfahrung passiert das seltener und man wird unempfindlicher“, berichtet der 31-Jährige. Zwar gäbe es auch Schutzkleidung, „doch die ist bei den hohen Temperaturen neben dem Ofen einfach zu warm.“

Nach dem Abitur hat sich Christoph Hübner drei Jahre lang an einer Glasfachschule im Bayerischen Wald zum „Staatlich geprüften Glasmacher mit dem Schwerpunkt Gestaltung“ ausbilden lassen. „Dort habe ich gelernt, welche Techniken es gibt, um Farben und Formen nach dem Wunsch des Kunden herzustellen.“ Farblehre, plastisches Gestalten, Stilgeschichte, technisches Zeichnen und viel Hintergrundwissen über den Ofenbau standen auf seinem Stundenplan.

Doch selbst nach der dreijährigen Ausbildung war noch lange nicht Schluss mit Lernen: „Man braucht nochmal ungefähr 10 000 Arbeitsstunden Praxiserfahrung, um das Handwerk wirklich gut zu können. Das entspricht ungefähr drei weiteren Jahren“, sagt Christoph Hübner. Im Vergleich zu Deutschland gäbe es vor allem in Amerika, Schweden und Dänemark viele Glasmanufakturen, die stets Nachwuchs suchten.

Wusstest du,…

... dass es neben dem Glasmacher auch noch den Glasbläser gibt? Er formt das Glas vor dem offenen Brenner durch das Hineinblasen in eine hohle Eisenstange. Dabei entstehen insbesondere filigrane Figuren.

... dass Glas aus Sand und dem Element Silicium besteht? Es ist eines der am häufigsten vorkommenden chemischen Elemente auf der Erde.

... dass man gebrauchtes Glas noch zwei bis drei Mal neu einschmelzen kann? Erst dann sinkt die Qualität, es bildet sich ein weißer Schaum.

... dass du in Glashütte bei Baruth verschiedene Glasmacherkurse, Schülerpraktika und ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren kannst?