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Endspurt auf dem Lausitzer Lehrstellenmarkt

Ausbildungsfinder

Für Schulabgänger und Betriebe in der Lausitz hat der Endspurt auf dem Lehrstellenmarkt gleichermaßen begonnen. Zwar gibt es noch immer eine gute Auswahl, die Chance auf den Traumberuf war nie größer. Zugleich wird es für Unternehmen nach Agentureinschätzung inzwischen eng, den geeigneten Bewerber zu finden.

3032 Bewerbern auf einen Ausbildungsplatz steht im Bereich der Agentur für Arbeit Cottbus ein Bedarf von 2271 betrieblichen Lehrstellen gegenüber. Das entspricht einem Verhältnis von 100 Bewerbern auf 75 betriebliche Ausbildungsstellen. So groß sei die Chance, zum Traumberuf zu kommen, lange nicht mehr gewesen, schätzt die Geschäftsführerin für den operativen Bereich bei der Cottbuser Arbeitsagentur, Constanze Malsbender, ein. Die Situation in der betrieblichen Ausbildung habe sich derart günstig entwickelt, dass die vom Staat geförderten außerbetrieblichen Lehrstellen erneut um 100 auf jetzt gerade einmal 123 Plätze heruntergefahren werden konnten. „Dennoch versuchen wir, auch für diese Jugendlichen noch Ausbildungsbetriebe zu finden“, erläutert Bereichsleiterin Marion Richter.

Ausgeglichenes Verhältnis

Von den 2210 von Betrieben im Agenturbereich Bautzen (mit Weißwasser und Hoyerswerda) gemeldeten Lehrstellen sind zurzeit noch 918 unbesetzt. Wie Agentursprecher Alexander Ul bricht betont, gibt es „ein fast ausgeglichenes Verhältnis zwischen noch unversorgten Bewerbern und den offenen Stellen“. Wie überall in der Lausitz sind es die Berufe in der Hotellerie und Gastronomie, aber auch im Baugewerbe und der Metallverarbeitung, die noch am meisten Bewerber suchen. Gegenüber der Dienstleistungsbranche gebe es bei den jungen Leuten eine Reihe von Vorbehalten, die bei flexibler Arbeitszeit anfangen und der Erreichbarkeit des Ausbildungsbetriebes und Schichtarbeit enden. Nach Ulbrichts Einschätzung gebe es „in fast allen Branchen noch freie Stellenangebote. Dennoch ist inzwischen Eile geboten“.

Bei den Handwerkskammern (HwK) sowie den Industrie- und Handelskammern (IHK) in der Lausitz sieht der Trend nicht anders aus. Die übergroße Mehrzahl der Ausbildungsplätze sind vermittelt, „aber es gibt auch noch attraktive Angebote“, betont der Dresdner IHK-Sprecher Lars Fiehler. Der Sachse verhehlt nicht, dass „der Markt geeigneter Bewerber so gut wie leer gefegt ist“. Und, voraussichtlich würden nach seiner Einschätzung „so viele Betriebe wie noch nie auf freien Lehrstellen sitzen bleiben“.

Um dieser Situation entgegenzuwirken, hat die IHK Cottbus schon für das kommende Jahr 500 Ausbildungsplätze eingestellt. Zunächst aber würden jetzt noch Bewerber für 718 freie Stellen gesucht. „Natürlich ist die geringere Entlohnung noch immer ein Argument für Jugendliche, in den alten Ländern, Österreich oder der Schweiz zu lernen“, räumt der Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger ein. „Unsere Unternehmen müssen aber auch präsenter in den sozialen Netzwerken im Internet werden.“

Angebot für Leistungsschwache

Krüger lenkt angesichts des Demografie-bedingten Bewerbermangels das Augenmerk auch auf leistungsschwache Schulabgänger. Die IHK hat für sie eine Aktion gestartet, um Defizite zu beseitigen. „Vielleicht muss mancher Arbeitgeber auch Abstriche machen, ehe er gar keinen Nachwuchs hat“, sagt Krüger.

Die Cottbuser Handwerkskammer setzt ab August wieder auf ihre Ausbildungshotline (siehe Infobox), um im Finish noch Bewerber für 505 offene Lehrstellen zu finden. Ob dies noch gelingt, das sieht auch HwK-Bildungsexperte Oliver Huschga eher skeptisch.

In den HwK-Bereichen Bautzen und Görlitz sieht die Lage mit 223 noch zu vergebenden Lehrstellen nicht besser aus. „Deshalb werden wir künftig auf eine frühere Berufsorientierung setzen“, betont HwK-Sprecher Ralf Krüger. Noch in diesem Jahr kommen 1000 Schüler der 8. Klassen ins Bildungszentrum der Handwerkskammer Dresden und können sich in fünf Berufsfeldern testen. Danach erhalten sie ein Eignungs-Zertifikat. „Nur wer weiß, was er will“, sagt Krüger, „kann sich schließlich gezielt um eine Lehrstelle bewerben.“

Mit 12,3 Prozent hat es im Bereich der Agentur für Arbeit Cottbus die niedrigste Juli-Arbeitslosenquote seit 18 Jahren gegeben. Das ist auf die anhaltend gute konjunkturelle Lage in den Betrieben der Region zurückzuführen, was dazu führt, dass Belegschaften gehalten und Lehrlinge größtenteils übernommen werden.

Die geringste Quote hat mit 6,4 Prozent – immerhin unter Bundesdurchschnitt – konstant Luckau (Dahme-Spreewald) aufzuweisen. Hier wirkt sich die Berlinnähe ebenso aus wie in Lübben (7,7 Prozent). Nach wie vor bildet die ehemalige Bergbauregion Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) mit 15,5 Prozent das Schlusslicht.

Von Christian Taubert

Für Schulabgänger und Betriebe in der Lausitz hat der Endspurt auf dem Lehrstellenmarkt gleichermaßen begonnen. Zwar gibt es noch immer eine gute Auswahl, die Chance auf den Traumberuf war nie größer. Zugleich wird es für Unternehmen nach Agentureinschätzung inzwischen eng, den geeigneten Bewerber zu finden.