Navigation öffnen

„Einen Fuß vor den anderen setzen“ – PLANBAR im Interview mit Jens Heyer

Reportagen

Jens Heyer ist Verteidiger bei den Lausitzer Füchsen. Er spielt Eishockey, seitdem er vier Jahre alt ist. Für ihn ist es ein Traum auf dem Eis zu stehen, seiner Leidenschaft nachzugehen und den Sport professionell zu betreiben. Man könnte sagen, er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Dennoch möchte er sich ein zweites Standbein aufbauen. Derzeit macht er eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik beim Energiekonzern Vattenfall. PLANBAR hat ihn getroffen, um genau zu erfahren, wie es ist, einen Leistungssport und eine Ausbildung gleichzeitig zu bewältigen.

Du spielst schon eine Weile Eishockey. Bist du der Meinung, dass auch echte Freundschaften entstehen können oder fühlt man sich eher wie Kollegen?

Ich sag mal so, mit vielen konnte man eine gute Freundschaft entwickeln. Wenn die Chemie in der Mannschaft nicht stimmt, ist es ja auch nicht so vorteilhaft. Eigentlich versteht man sich auch mit jedem, es sei denn, es herrscht eine brutale Sprachbarriere. Aber ich spreche ganz gut Englisch und die Spieler aus dem Ausland müssen sowieso Englisch sprechen. Die eine oder andere Freundschaft geht sogar über die Saison hinaus.

Wie läuft das nach dem Spiel ab? Wird bei einem Sieg noch ein bisschen in der Kabine gefeiert oder geht jeder seiner eigenen Beschäftigung nach?

Es kommt  auf die Situation an. Ein Sieg nach einer langen Durststrecke wird immer anders gefeiert, als wenn man viele Spiele nacheinander gewinnt. Also es wird nicht jeder Sieg groß gefeiert, es sei denn man hat gegen eine starke Mannschaft gewonnen, wo man den Sieg gar nicht erwartet hätte. Und dann wurde natürlich auch eine besonders gute Leistung erbracht.

Gab es für dich eine spezielle Person, der du es verdankst, so erfolgreich spielen zu können?

Ich verdanke es hauptsächlich meinen Eltern, die mir das finanziell ermöglicht  und mich jeden Tag zum Training gefahren haben.

Bist du der Meinung, dass sich einige Dinge aus dem Eishockey auch auf das normale Arbeitsleben übertragen lassen?

Definitiv. Auf jeden Fall die Teamfähigkeit. Das Integrieren in eine Gruppe ist besonders wichtig oder auch einmal eine Gruppe zu leiten.

Beschreib doch mal deinen typischen Tagesablauf.

Ich stehe um 6 auf, denn um 6.45 beginnt die Arbeit. Dann arbeite ich bis 15.30, fahre nach Weißwasser  und hab manchmal noch eine Stunde zu Hause, um runterzukommen. Je nachdem ob man das Training, das Vormittag war, nachholen muss, kommen noch ein paar Krafttrainingseinheiten dazu. Danach folgt das richtige Training, das im Schnitt mit Vor- und Nachbereitung 2 bis 3 Stunden dauert. Zwischen 7 und 9 bin ich dann meistens zu Hause.

Zurzeit gehst du einer Ausbildung bei Vattenfall nach. Wie lässt sich das mit dem Sport vereinbaren?

Naja, ich verpasse auch Trainingseinheiten. Ich komme nicht von der Lehre extra nach Weißwasser gefahren und kann somit die Vormittagstrainingseinheiten nicht wahrnehmen. Wir trainieren zweimal die Woche nachmittags, und mittwochs fahre ich nach Niesky und trainiere mit den Tornados Niesky. Vom normalen Trainingspensum behindert es mich zwar, aber ich bin ein paar Kompromisse eingegangen und komm so ganz gut um die Runden. Für Spiele oder Trainingslager muss ich mir ganz normal Urlaub nehmen.

Was machst du in deiner Freizeit, wenn du mal nicht trainierst oder Sommerpause ist?

Ich genieße meine Freizeit, treff mich am Abend mit Freunden oder geh Fußball spielen. Ansonsten individuell vorbereitendes Training. Man sollte Anfang August schon wieder auf einem guten Fitnessstand sein, wenn das Training Mitte August wieder losgeht.

Du hast ja schon in Berlin und Leipzig gespielt. Was findest du persönlich typisch für Weißwasser und Umgebung?

An einem Ort groß geworden zu sein, spielt schon eine wichtige Rolle. Wenn man sich im Kreis der Familie und Freunde wohlfühlt, gibt es einem ein Lebensgefühl, das nicht auf eine besondere Stadt bezogen ist. Was an Weißwasser noch besonders ist, ist das alte Stadion mit den tollen Fans.

Kannst du dir vorstellen, hier in Weißwasser zu bleiben?

Durch die Lehre bin ich erst mal an Weißwasser gebunden. Mir gefällt auch der Arbeitgeber, und ich würde auch gern hier in der Region bleiben und weiter arbeiten. Der Arbeit wegen würde ich zwar noch mal weggehen, aber des Eishockeys wegen nicht.

Also reizt es dich nicht, vielleicht mal in Kanada Eishockey zu spielen?

Ja, diesen Traum hat jeder Eishockeyspieler mal gehabt, als er klein war. Jeder will in Nordamerika Eishockey spielen, weil es der einzige Weg ist, um mit diesem Sport auch Geld zu verdienen. Die Summen, die dort fließen, sind vergleichbar mit denen von Fußballern in Deutschland. Es ist dort eine andere Mentalität. Hier rennt jeder mit dem Fußball über die Straße und dort mit dem Eishockeyschläger.  Aber den Traum hab ich mittlerweile mehr oder weniger aufgegeben. Höchstens wenn ich später mal auswandern sollte und dort in meiner Blockhütte wohne...

Was kannst du den zukünftigen Auszubildenden in der Region mit auf den Weg geben?

Einen Fuß vor den anderen setzen. Man geht eben viele kleine Schritte, um an sein Ziel zu kommen, ohne sich irgendwelchen Druck aufzuerlegen.