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Eine Ausbildung zum Verlieben – Restaurantfachmann /- frau [INTERVIEW]

News rund um die Ausbildung

Restaurantfachmann /-fau ist zwar kein leichter Beruf, aber sehr liebenswürdig und abwechslungsreich. Saskia und Sebastian sprachen mit den beiden Auszubildenden Jennifer und Julia im 3. Ausbildungsjahr am OSZ in Sedlitz.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen Restaurantfachfrau (ReFa)zu werden?

Jennifer: Ich wollte irgendwas mit Menschen machen, aber keinen Bürojob. Auch Einzelhändler und kassieren war nicht so meins. Ich habe dann ein Praktikum zur Orientierung gemacht und mich anschließend bei meinem Ausbildungsbetrieb beworben.  Am selben Tag habe ich sogar die Zusage bekommen für die Ausbildung.

Julia: Ich habe Ferienarbeit in meinem Ausbildungsbetrieb absolviert, was mir viel Spaß gemacht hat. Das hat meine Chefin gesehen und mir die Ausbildung angeboten. Man lernt jeden Tag neue Menschen kennen, ist an der frischen Luft draußen – das war genau das richtige für mich und daher habe ich mich für die Ausbildung entschieden.

Was hat während der Ausbildung am meisten Spaß gemacht?

Jennifer: Die Berufsschule war sehr lustig, nachmittags mal Freizeit, hat man sonst ja selten!

Julia: Berufsschule ist eine schöne Abwechslung zur Arbeit, man trifft seine Freunde wieder und hat viel Spaß. Das ist sehr schön gewesen.

Wie sieht es mit Freizeit und Urlaub während der Ausbildung aus?

Jennifer: Viel planen kann man da nicht. Wird jemand krank, müssen wir direkt einspringen. Sowieso wird immer am Wochenende und an den Feiertagen gearbeitet. Man muss für diesen Beruf geboren sein.

Fällt die Umstellung von Schule zur Arbeit schwer?

Jennifer: Sonst ist man früh aufgestanden um zur Schule zu gehen, meist so um 5. Manchmal komme ich da gerade erst von Arbeit heim und gehe schlafen. Das ist aber kein Problem.

Was hat euch nicht so gefallen?

  • Man wird im Unternehmen sehr ausgenutzt als Azubi.
  • Ja, das kann ich bestätigen.
  • Es gibt da aber auch mal unter den Lehrern schwarze Schafe. Es gibt viele tolle Lehrer, aber auch ab und an jemanden, der nicht so passt.

Wie groß ist der Praxisbezug in der Berufssschule?

Jennifer: Ganz gut, aber das greift nicht so direkt ineinander. Wir lernen hier zum Beispiel das eindecken von Tischen, das machen wir oft gar nicht mehr auf der Arbeit, weil dort die Zeit dazu fehlt.

Julia: Man lernt hier das fachgerechte, auf der Arbeit macht man das aber oft ganz anders. Unterscheidet sich beides schon sehr, aber es ergänzt sich auch.

Ist das nicht eine Chance für euch? Wenn ihr woanders hingeht habt ihr eine breite Kenntnis von eurem Fachgebiet?

Jennifer: Man macht's hier vielleicht ein/zweimal. In ein paar Jahren, weiß man das auch nicht mehr so gut. Die Unternehmen sollten da mehr Rücksicht nehmen und das mit uns auch üben. Aber dafür fehlt einfach meistens die Zeit im laufenden Betrieb.

Wie sieht es denn mit den Übernahmechancen nach der Ausbildung aus?

Jennifer: Man wird übernommen, die Gastronomie sucht händeringend Nachwuchs! In diesem Bereich gibt es ehr gute Zukunftschancen.

Julia: Oft finden die Unternehmen nur ganz schwer Azubis – und die möchten sie dann natürlich behalten!

Möchtet ihr auch im Unternehmen bleiben?

Jennifer: Ja, erstmal schon, definitiv. Aber man bleibt trotzdem irgendwie der Lehrling. Ich möchte dann auch in anderen Unternehmen Erfahrung sammeln. Ich könnte mir aber vorstellen, später zurückzukehren zum eigentlichen Ausbildungsbetrieb – um dann kann ich mit meiner Erfahrung doppelt punkten.

Was sollte man für den Beruf ReFa mitbringen?

Jennifer: Man sollte kundenfreundlich, aufgeschlossen, und auf gar keinen Fall schüchtern sein.

Julia: Ein gepflegtes Äußeres ist wichtig. Man sollte gut mit Menschen umgehen können und wollen – man muss auch wissen, dass der Beruf sehr anstrengend ist. Man muss nicht unbedingt sportlich sein, aber sollte sich bewusst machen, dass man den ganzen Tag auf den Beinen ist, da muss man die Zähne zusammenbeißen.

Jennifer: Ansonsten muss man den Beruf einfach lieben, ganz klar. Es macht keinen Sinn morgens aufzustehen und sich zur Arbeit als Refa zu zwingen.

Julia: Ja, man muss das wirklich wollen, grade was die Arbeitszeiten betrifft.

Ihr habt ja durch Ferienarbeit und Praktika schon Vorkenntnisse gesammelt. Empfehlt ihr ein Praktikum oder einen Ferienjob?

Julia: Ferienarbeit ist eine sehr gute Vorbereitung, dann lernt man schon den Umgang mit Menschen. Du bist besser vorbereitet, kannst mit Reklamationen oder Problemen viel besser umgehen und lässt sich nicht so leicht aus der Bahn werfen.

Gab es größere Probleme während der Ausbildung?

Julia: Im ersten Lehrjahr war ich kurz davor, alles hinzuschmeißen, weil die Ausbildung wirklich fordernd ist. Man ist sich nicht sicher, ob das wirklich alles ist, was man für den Rest seines Lebens machen will. Aber meine Familie und Freunde haben mich da super unterstützt, und rückblickend bin ich froh darüber, dass ich nicht aufgehört habe!

Jennifer: Mein Freund hat auch wirklich hinter mir gestanden. Wenn ich keinen Rückhalt hätte zuhause, hätte ich die Ausbildung auch längst abgebrochen.

Kurz und knapp: Welche ist die wichtigste Eigenschaft in eurem Beruf?

Jennifer: Man darf sich nicht anmerken lassen, dass man vielleicht mal genervt ist von Gästen. Immer schön freundlich sein und drüber stehen.

Julia: Selbstbewusstsein ist in diesem Beruf sehr wichtig. Und Freundlichkeit!

Welche Tipps habt ihr für jemanden, der überlegt eine Ausbildung zum ReFa zu machen?

Jennifer: Macht vorher ein Praktikum/Ferienarbeit!Und stellt euch die Fragen: Schaffe ich das körperlich? Ist es etwas für mich? Komme ich mit den Arbeitszeiten klar?

Julia: Auf jeden Fall mehrere Betriebe anschauen, denn überall läuft es anders ab! Nur dann bekommt man einen richtigen Einblick und findet auch den richtigen Betrieb

Gibt's noch etwas, was ihr loswerden wollt?

1) Suchen! Es wäre toll, wenn Nachwuchs kommen würde.

2) Es wäre toll, wenn sich wieder mehr Leute dafür begeistern würden. An sich ist es ein toller Beruf. Man lernt jeden Tag neue, viele nette Leute kennen und  ist viel an der frischen Luft. Ich kann auch nicht verstehen, warum sich nur noch so wenige Schüler für eine Ausbildung in dieser Branche entscheiden. Klar, gibt es auch mal schwierige Gäste oder schlechte und stressige Tage – einfach ist es nicht. Aber wenn man den Beruf wirklich liebt und sich dafür begeistern kann, ist es eine tolle Sache.