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Ein Leben für die Musik

Leben

Am kommenden Wochenende wird es bunt und laut vor den Toren Berlins. Im beschaulichen Paaren im Glien treffen sich über 20.000 Musikbegeisterte, um auf dem Greenville-Festival zu feiern. Doch wer steckt hinter dem Festival? PLANBAR spürt den "Vater" des Greenville auf: Carlos Fleischmann.

Der gebürtige Bremer hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Jugendlicher hat er bei Werder Bremen in der Jugendfußballmannschaft gespielt, konnte sich aber bald mehr für Musik begeistern als für den Sport. 1987 gründete er seine eigene Ska- und Rockabilly-Band und organisierte für sie Konzerte in ganz Europa. Schnell machte er sich einen Namen, nicht, indem er selbst auf der Bühne stand, sondern indem er große Namen auf deutsche Konzert- und Festivalbühnen holte: Rolling Stones, die Bloodhound Gang, Kylie Minogue, Scooter – die Liste ließe sich noch ewig fortführen. 2006 schließlich gründete er die Musik- und Sport-Agentur creative talent und vermittelt neben Musikern auch Fußballer. Während er junge, talentierte Kicker in ganz Europa aufspürt, liegt der Schwerpunkt seiner musikalischen Talentsuche im Großraum Berlin. Die Stadt hat es ihm angetan, und schon vor einigen Jahren hatte er die Idee, ein Rockfestival im Berliner Umland zu etablieren. Mit dem Berlinova, dass 2003 bis 2005 in Luckau stattfand, ist ihm das leider nicht geglückt. Das Greenville greift den bunten Stilmix aus Bands wieder auf, aber der Anspruch an Nachhaltigkeit, Regionalität und Bewusstsein für Mensch und Umwelt ist deutlich spürbarer. Über diesen Anspruch, darüber, wie man Festivalveranstalter wird und was uns am kommenden Wochenende beim Greenville erwartet, sprach PLANBAR mit Carlos Fleischmann.

Das Greenville Festival ist ja eine sehr naturbezogene und regionale Veranstaltung. Wie sind Sie denn überhaupt auf die Idee gekommen?

Naja, das war eher ein "aus der Not eine Tugend machen". Wir haben hier diese schöne grüne Landschaft und viele kleine Dörfer. Weil es so grün ist, hat das Festival ja auch seinen Namen bekommen. Wir wollten mal was anderes und mehr machen als andere.

Und wie äußert sich dieses "was anderes machen"? Wie grün ist das Festival denn wirklich?

Wir greifen eher kleine Themen auf und breiten die dann nicht so lang und weit aus. Wir greifen lieber auf örtliche Anbieter und Zulieferer zurück und alles, was nah dran ist. Dazu zählen auch die Acts, die hier aus der Gegend kommen. Wir versuchen, alles lieber klein und einfach zu halten. Das bezieht sich zum Beispiel auf Essen und Getränke – wir halten es halt so klein, dass es den Ansprüchen genügt.

Und wie war Ihr Werdegang so? Wie wird man denn Festivalveranstalter?

Naja, so eine richtige Ausbildung habe ich nicht gemacht. Ich habe erst alles für meine Band geplant und gemanagt. Und dann bin ich da so reingerutscht. War richtiges "learning by doing". Und jetzt bilden wir ja auch aus: Veranstaltungskauffrau/-mann und ein duales Studium in Eventmanagement.

Waren Sie denn auch im Ausland oder haben da Praktika gemacht? Hat Ihnen das weitergeholfen?

Also ich war schon immer viel im Ausland, privat und geschäftlich. Es waren meistens Geschäftsreisen – was die Wirtschaft eben so mit sich bringt. Man schaut sich dann natürlich auch Veranstaltungen an und sieht immer wieder neue Sachen und Ideen, die man mit nach Hause bringt und selbst umzusetzen versucht. Inspiration eben, Sachen, die man dann für sich übernimmt.

Was haben Sie denn vom Festival 2012 gelernt, was würden Sie anders machen? Was gibt es 2013 Neues?

Ach, viele Dinge. Ich bin so ein Perfektionist. Man kann immer etwas verbessern und nur durch stetige Verbesserung kommt man auch weiter. Man muss immer alles hinterfragen, was man macht. Wir waren im letzten Jahr schon recht gut vorbereitet. Wir haben die Themenfelder ausgebaut, auch unser Freiwilligenprogramm aus dem letzten Jahr haben wir wieder aufgegriffen, aber auch ausgebaut. Ohne Hinterfragen klappt es fast nicht. Nur so kann man auch was verändern und verbessern.

 

Fotos: Travis Guichard, greenville / doubleju