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Arbeiten wo andere Urlaub machen – Digitale Nomaden auf Bali

Lifestyle

Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das geht? Auf Bali schon. Denn die kleine Insel im Indischen Ozean hat sich in den letzten Jahren zu einem Paradies für sogenannte Digitale Nomaden entwickelt. Digitale Nomaden sind Menschen, die einen festen Arbeitsplatz haben oder freiberuflich angestellt sind aber nicht am Unternehmensstandort arbeiten, sondern zum Beispiel auf Bali.

Ich habe mich, gemeinsam mit ein paar Kommilitonen und Professoren von der Hochschule Anhalt auf den Weg nach Bali gemacht, um dort zu untersuchen, wie Digitale Nomaden leben und arbeiten. Vor Ort haben wir dafür mit ihnen gesprochen und uns sogenannte Co-Working Spaces angeschaut. 

Was sind Digitale Nomaden?

Digitale Nomaden sind Menschen, die einen feste Arbeitsplatz haben oder freiberuflich angestellt sind aber nicht am Unternehmensstandort arbeiten, sondern zum Beispiel auf Bali. Gerade dort ist das Arbeiten als Digitaler Nomade sehr einfach, die Community wächst von Jahr zu Jahr an. Auch die äußeren Gegebenheiten stimmen, denn das Internet ist auf Bali sehr gut ausgebaut.
Auch wenn sie alle einen unterschiedlichen Hintergrund haben, sind sich die Digitalen Nomaden trotzdem sehr ähnlich. Die wenigsten sind älter als 35 Jahre. Sie kommen aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Holland oder Australien.

Welche Berufe haben Digitale Nomaden?

Das ist ganz unterschiedlich. Wichtig ist allerdings, dass es ein Beruf ist, bei dem man nicht permanent im Büro anwesend sein muss. Aus diesem Grund sind es meist Berufe, bei denen man viel online arbeitet. Digitale Nomaden arbeiten zum Beispiel im Onlinemarketing, als Programmierer, Grafikdesigner oder Blogger aber auch als Architekten oder Anwälte.

Wo arbeiten Digitale Nomaden?

Das ist ganz unterschiedlich. Einige arbeiten von Zuhause. Andere setzten sich in ein Restaurant oder Café und arbeiten dort. Das ist auf Bali ziemlich leicht möglich, denn die Preise für Speisen und Getränke sind sehr gering, zumindest in den balinesischen Restaurants. Hier bekommt man Essen und Getränke meist schon für umgerechnet 3 bis 5 Euro. Außerdem hat fast jedes Restaurant und Café einen kostenlosen Internetzugang. Ideale Arbeitsbedingungen also.
Eine weitere Möglichkeit ist es in einem sogenannten Co-Working Space zu arbeiten.

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Was ist ein Co-Working Space?

Co-Working Spaces sind spezielle Einrichtungen, von denen aus Digitale Nomaden arbeiten. Die bekanntesten sind dabei das Hubud in Ubud sowie das Dojo und das District in Canggu. Hier kann man sich leider nicht einfach hinsetzen und los arbeiten, sondern muss zuerst eine Art Mitgliedsbeitrag zahlen. Das können Tages- oder Zweitagespässe sein oder Pässe, die monatlich einen unbegrenzten Zugang zum Co-Working Space gewähren. Außerdem gibt es Night-Owl-Pässe, für Digitale Nomaden, die vor allem nachts arbeiten. Ja, auch das gibt es hier, denn durch die Zeitverschiebung gibt es auf Bali keine normalen Arbeitszeiten.

Doch ein Co-Working Space ist oft viel mehr, als nur ein Ort zum Arbeiten. Vor allem das Hubud in Ubud und das Dojo in Canggu helfen dabei, sich auf Bali einen Freundeskreis aufzubauen. Nach „Feierabend“ finden hier verschiedene Veranstaltungen statt, zum Beispiel Quiz-Nights, eine Frühstücksveranstaltung für neue Mitglieder oder ein Crashkurs für die Sprache Bahasa Indonesia (die Sprache auf Bali). Aber auch Events, die einem im Berufsleben weiterhelfen, zum Beispiel eine Veranstaltung, bei der man lernen kann, mobile Apps zu programmieren oder wie man am besten seinen Online-Handel aufbaut.

Auch während der Arbeit haben die Digitalen Nomaden immer die Möglichkeit aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen. Dafür gibt es zum Beispiel im Dojo in Canggu eine Wand, auf der Mitglieder verschiedene Fähigkeiten nachfragen oder anbieten können. So wird gewährleistet, dass Einzelne nicht an einem Problem verzweifeln, sondern alle sich gegenseitig helfen.

Wie ist das mit der Zeitverschiebung?

Daran muss man sich natürlich gewöhnen und seine Arbeitszeiten danach ausrichten. Von einigen Digitalen Nomaden haben wir gehört, dass sie teilweise schon sehr früh am Morgen, zwischen 3 Uhr und 4 Uhr einen ersten Skype-Termin mit einem Kunden haben.

Wie stark sich die Zeitverschiebung auf den Arbeitstag auswirkt, hängt natürlich auch davon ab, wo der Firmenstandort ist oder wo die Kunden angesiedelt sind. Arbeit man für eine Firma oder Kunden in Europa oder Amerika, wirkt sich die Zeitverschiebung stärker aus, als wenn man für ein australisches Unternehmen arbeitet.

Arbeiten sie auch wirklich oder ist das nur ein Vorwand, um auf Bali zu sein?

Man mag es kaum glauben, aber die Digitalen Nomaden auf Bali arbeiten wirklich. Wie schon bei der Frage zur Zeitverschiebung beschrieben sind die Arbeitstage allerdings ganz anders, als wir das gewohnt sind. Sie beginnen teilweise viel eher und enden wesentlich später. Doch keiner der Digitalen Nomaden, die wir getroffen haben, hat einen gestressten oder überarbeiteten Eindruck gemacht. Ganz im Gegenteil! Sie alle wissen die Chance, die sich ihnen bietet, zu schätzen und nutzen sie.

Und wo leben sie?

Das ist ganz unterschiedlich. Da auf Bali nichts wirklich teuer ist und eine Nacht im Hotel teilweise unter 10 Euro kostet, wohnen einige Digitale Nomaden in Hotels. Hier bekommen sie morgens Frühstück und müssen nicht selbst aufräumen.

Andere mieten sich gemeinsam ein Haus und wohnen dort. Auch das ist nicht besonders teuer, zumal man sich die Miete dann teilen kann.

Aber auch in den Co-Working Spaces kann man teilweise wohnen. Oft werden hier Zimmer zur Vermietung angeboten.

Was hat es für Vorteile auf Bali zu arbeiten?

Ein Vorteil, der für mich mit an erster Stelle steht, sind die Temperaturen. Auf Bali gibt es nicht die klassischen Jahreszeiten, wie wir sie kennen, sondern nur die Regen- und Trockenzeit. Man hat konstant zwischen 28 Grad und 30 Grad.

Auch das Meer hat sich an diese Temperaturen angepasst, sodass man zum Beispiel ohne Wetsuit surfen kann.

Die Lebenshaltungskosten sind auf Bali extrem gering. Weder das Essen noch Hotels sind besonders teuer, einen Roller kann man für wenige Euro am Tag mieten. Auch das ist ein sehr großer Vorteil.

Auf Bali gibt es bereits eine riesige Community von Digitalen Nomaden, sodass man als Neuankömmling schnell neue Freunde findet. Die Co-Working Spaces sind optimal, um neue Kontakte zu knüpfen.

Außerdem bietet Bali eine sehr gute Internetstruktur. Fast jedes Restaurant oder Café hat einen Wlan-Zugang. Man kann quasi von überall aus arbeiten.

Und wenn man einmal den langen Flug auf sich genommen hat, sollte man sich unbedingt umliegende indonesische Inseln und andere Länder ansehen. Australien liegt zum Beispiel nur einen Katzensprung von Bali entfernt.

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Und Nachteile?

Leider muss ich auch hier zuerst wieder die Temperaturen anbringen. Natürlich ist es schön, wenn es warm ist, aber gerade in der Regenzeit ist die Luftfeuchtigkeit unglaublich hoch. Man schwitzt den ganzen Tag, Dusche ist nur obligatorisch. Hinzu kommt, dass man sich immer mit Sonnencreme eincremen muss, sonst hat man nach 10 Minuten bereits den ersten Sonnenbrand. Nach der Sonnencreme folgt meist ein Schicht Mückenspray, um sich vor lästigen Moskitos zu schützen. Schweiß, Sonnencreme und Mückenspray ergeben also eine interessante Mischung auf der Haut.

Bali ist außerdem nicht ganz so traumhaft, wie viele Reisebloggs und Reiseführer dich glauben lassen. Natürlich ist die Natur einzigartig und auch kulturell hat Bali einiges zu bieten. Doch die Insel hat ein großes Müllproblem. Überall liegen leere Plastikflaschen und Kokosnüsse, Verpackungen und anderer Müll. Nicht nur auf den Straßen und hinter Restaurants sondern leider auch am Strand und im Meer. Das trübt die Idylle und sollte unbedingt einen größeren Stellenwert im Leben der Balinesen haben, sonst bleiben Urlauber und Digitale Nomaden in der Zukunft vielleicht aus.

Man muss sich auf andere Arbeitszeiten einstellen. Wer einen normalen Arbeitstag schätzt und am liebsten von 9 Uhr bis 17 Uhr im Büro sitzt, für den ist die Arbeit als Digitaler Nomade nicht geeignet.

Man sollte sehr vorsichtig essen, wenn man nicht unbedingt einen Aufenthalt im Krankenhaus plant. Generell gilt: Kein Leitungswasser trinken, nichts Rohes, Ungewaschenes oder Ungeschältes essen. Natürlich verträgt der Eine das Eine und der Andere das Andere besser oder schlechter. Aber die Lebensmittel und das Wasser aus Bali haben nicht den Standard, den unser europäischer Magen gewohnt ist. 

Na dann, nichts wie los!

Bevor du dich jetzt voller Vorfreude in das Abenteuer Bali stürzt, solltest du vorher ein paar Dinge durchdenken.

Natürlich brauchst du einen aktuellen Reisepass und ein Visum, da du dich vermutlich länger als 30 Tage auf der Insel aufhältst. Auch ein paar Impfungen können nicht schaden, zum Beispiel gegen Hepatitis A und B, Tollwut oder Typhus.

Wichtig ist natürlich, alles mit deinem Arbeitgeber abzusprechen. Man sollte die Aufgaben definieren, die bearbeitet werden müssen und klarstellen, wie viele Stunden man in der Woche arbeiten muss. Die Rahmenbedingungen sollten natürlich vor der Reise geklärt sein, sodass dein Unternehmen vollkommen hinter deinem Plan steht.

Du solltest dir auch bewusst sein, dass du auf Bali keine normalen Arbeitstage hast, sondern häufig bis spät abends arbeitest. Wer sich leicht von Dingen, wie dem schönen Wetter, Cocktails und der Aussicht auf Strand und Meer ablenken lässt, für den ist das Arbeiten auf Bali vielleicht auch nicht unbedingt geeignet.

Was ich auf jeden Fall empfehle, ist einmal für ein paar Wochen nach Bali zu reisen, bevor man zu Hause alle Zelte abbricht und es “kein Zurück” mehr gibt. Dann kann man schauen, an welchem Ort es einem gut gefällt und gezielt nach Unterkünften suchen. Vielleicht merkt man dann auch, dass es doch kein so großer Traum ist, auf Bali zu leben und zu arbeiten.

Man muss sich auf jeden Fall bewusst sein, dass es sehr große Unterschiede zwischen der balinesischen Kultur unserer gibt. Ich persönlich finde Asien als Reiseziele sehr interessant, eben wegen dieser Unterschiede. Aber ich könnte dort wahrscheinlich nicht für längere Zeit leben und arbeiten.

Deswegen gilt: entscheide dich nicht leichtfertig, falls du den Schritt in Richtung Digitaler Nomade planst, sondern lass es dir in Ruhe durch den Kopf gehen und spricht mit Leuten, die diese Erfahrung bereits gemacht haben. Sie freuen sich, wenn sie dir bei deiner Entscheidung helfen können, und geben dir gern Tipps.