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Die Zukunft liegt unterm Mikroskop: Biotechnologietage an der BTU

Leben

Der DNA von Kiwis und Tomaten auf der Spur sind Zwölftklässler des Oberstufenzentrums Lausitz in Schwarzheide. Bei den Biotechnologietagen am Senftenberger Uni-Campus können sie sich ausprobieren.

Man nehme drei Gramm Kochsalz, zehn Milliliter Spülmittel und 100 Milliliter destilliertes Wasser, schütte es vorsichtig und mit höchster Sorgfalt in ein Becherglas und rühre es um. Und dann füge man Kiwi hinzu. Oder Erdbeeren. Oder Tomaten. Je nach dem, was man lieber mag, und erhitze das Ganze auf 60 Grad Celsius, bevor man es im Eisbad abkühlen lässt.

Was nach einem Gesundheits­shake klingt, dient eigentlich dem Heraustrennen von DNA aus dem Obst, das man hinzu gibt. Für Rosalie König, Masterstudentin in Biotechnologie, ist das nichts Besonderes mehr. Für die Schüler der 12. Klasse des Oberstufenzentrums (OSZ) Lausitz in Schwarzheide allerdings schon: Sie wundern sich bei den Biotechnologietagen der BTU Cottbus-Senftenberg mitunter, was mit ein bisschen Salz und Spüli – neben Kochen und Abwaschen – alles möglich ist.

Josephine Japke

„Biotechnologie ist absolut zukunftsweisend und beschäftigt sich mit allem, was uns umgibt“, macht Rosalie König den Schülern klar. „Wir brauchen sie für Lebensmittel, Pharmazie, Krebsforschung und erneuerbare Kraftstoffe“, zählt sie auf. Beispielsweise für die Herstellung von Camembert oder das Vitamin B 12, das der Mensch für Blutbildung, Energiestoffwechsel, Nerven und Immunabwehr benötigt.

Heute brauchen die Schüler des OSZ die Biotechnologie also, um die DANN herauszulösen. Auch wenn jeder von ihnen in den Bio-Leistungskurs geht, ist nicht jeder automatisch ein Bio-Genie. „Das ist auch gar nicht nötig“, meint Hannes Meyer. „Ich hatte Mathe, Englisch und Wirtschaft als Leistungskurse. Das Wissen, das mir im ersten Semester des Studiums in Biologie gefehlt hat, wurde uns in Crashkursen entweder im College oder in Tutorien vermittelt“, sagt er. Hannes hat ebenfalls seinen Master in Biotechnologie an der BTU gemacht und hätte in ganz Deutschland einen Job kriegen können. Aber er blieb in Senftenberg und ist jetzt akademischer Mitarbeiter. „Hier habe ich doch alles: super Labore, hilfsbereite Unterstützung, Förderungen und  Freiheiten um meinen Forschungen nachzugehen“, sagt Hannes.

Josephine Japke

Und damit geht der Plan von Barbara Hansen voll auf: „Natürlich richten wir diese Tage auch aus, um den Schülern zu zeigen: bleibt hier, wir haben hier tolle Studienbedingungen und alles zu bieten“, sagt die Studiengangsleiterin der Biotechnologie. Bisher kommen ein Drittel ihrer Studenten aus Sachsen, 50 Prozent aus Berlin/Brandenburg und 20 Prozent aus anderen Bundesländern. Hinzu kommen internationale Master-Studenten aus Indien, Syrien, Namibia und Vietnam, die sich von den guten Studienbedingungen in Senftenberg selbst überzeugen wollen.Dass man auch in der Heimat alles haben kann, ist einer der Gründe, weshalb Biolehrer Thomas Müller schon zum fünften Mal mit einer Klasse an den Biotechnologietagen teilnimmt. „Ich will ihnen nicht nur Experimente ermöglichen, die wir in der Schule gar nicht durchführen können, sondern ihnen auch zeigen, dass man sehr wohl in der Heimat studieren kann“, sagt er.

Denn Biotechnologie ist eines der Aushängeschilder am Standort Senftenberg. Schon seit dem Jahr 2000 beginnen im Wintersemester jährlich etwa 60 Erstsemester das Studium, 24 von ihnen ergattern dann einen der beliebten Masterplätze. „Die Ausrichtung des Studiums ist extrem praxisbezogen. Bei uns dauert es nicht sechs, sondern sieben Semester, weil wir noch ein Forschungssemester verpflichtend mit drin haben“, erklärt Studiengangsleiterin Barbara Hansen.

Das mache die Absolventen für Unternehmen so attraktiv. Denn die Firmen wissen, dass sie nicht nur praxisfremde Theoretiker bekommen, sondern topausgebildete Fachkräfte. „Einige finden direkt nach dem Studium Anstellungen in den Impfstoffwerken Glaxo in Dresden. Andere gehen ins Landesumweltamt und kontrollieren beispielsweise das Trinkwasser. Ich kenne sogar einen, der in einer Bierbrauerei arbeitet“, sagt Hannes. Spätestens da horchen alle Schüler interessiert auf. Mit Biotechnologie kann man Bier und Käse herstellen? Könnte vielleicht wirklich eine Überlegung wert sein.