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Der süßeste Beruf der Lausitz

Reportagen

Braucht man eine besondere Beziehung zu Süßwaren wenn, man in einer Bäckerei arbeitet? Und muss man zwangsläufig ein Frühaufsteher sein? Diesen Fragen bin ich bei meinem Besuch in der Produktionsstätte von Sternenbäck in Spremberg nachgegangen.

Es war schon immer der Wunsch von Steffen Daniel,  in einer Bäckerei zu arbeiten. Doch erst in seiner zweiten Ausbildung konnte er sich diesen Wunsch erfüllen. Nun arbeitet er schon seit 2011 als Bäcker in der Produktionsstätte von Sternenbäck in Spremberg.  „Man weiß ja, wie das früher  war: Man musste nehmen, was einem angeboten wurde.“ Aus diesem Grund begann er erst 2008 seine Bäckerlehre. Inzwischen ist er 33 Jahre und sehr glücklich, dass er sich noch einmal umentschieden hat.

Aber warum ausgerechnet Bäcker? „Weil ich nichts anderes kann. Ich bin nicht dafür geeignet, auf dem Bau zu arbeiten. Außerdem duftet es hier so gut und es gibt immer was zu naschen.“

Die Ausbildung zur/m Bäcker/in dauert in der Regel drei Jahre. Wie bei allen dualen Ausbildungen gibt es einen Wechsel zwischen der Arbeit im Unternehmen und dem Lernen in der Schule. Zur Schule ging es für Steffen ins Cottbuser Oberstufenzentrum II. Im Betrieb hat er alle möglichen Stationen in der Backstube durchlaufen. Das ist wichtig, damit man alle Seiten des Berufs auch praktisch kennenlernt und individuell einsetzbar ist.

Ein besonderes Highlight seiner Ausbildung waren die drei Wochen in der italienischen Stadt Vicenza, wo er in einer Familienbäckerei arbeitete. Die Arbeit dort sei ganz anders gewesen, als er es aus Deutschland gewohnt war. „Es gab dort weniger Maschinen, und man hat mehr mit den Händen gearbeitet.“ Ein wenig Italienisch hat er in der Zeit auch gelernt. „Aber man konnte sich auch gut in Englisch verständigen“. Einige seiner Kollegen sprachen auch Deutsch.

Helge Kellner, der Betriebsleiter der Sternenbäck GmbH in Spremberg bestätigt: „Wir haben schon einige Auszubildende ins Ausland geschickt. Nicht nur nach Italien sondern auch nach Frankreich und Polen.“

Aber warum ist Steffen Daniel dann wieder nach Deutschland zurückgekommen, wenn er so viel Spaß an der Arbeit in Italien hat? „Es gibt dort kein duales Ausbildungssystem. Nach der Schule gehen die Leute einfach in ein Unternehmen und fragen, ob sie dort arbeiten können. Die Dinge, die ihnen dort vermittelt werden, stehen in keinem Lehrplan. Irgendwann sind sie dann einfach fertig mit ihrer ‚Ausbildung‘ und können, wenn sie wollen, auch ihr eigenes Geschäft aufmachen.“ Da gefällt ihm das deutsche System mit ordentlichen Strukturen viel besser. Außerdem kommt Steffen Daniel ursprünglich aus Spremberg. „Man hängt ja an seiner Familie. Außerdem sind viele meiner Freunde auch Spremberger.“ Er kann sich nicht vorstellen Spremberg so bald zu verlassen. „Die Ausbildung bei Sternenbäck war einfach eine Chance, die ich nutzen musste.“

Was sind also die Voraussetzungen, um ein erfolgreicher Bäcker zu werden? „Man sollte gut rechnen können, um Teiggrößen zu berechnen oder auch mal Rezepturen umzurechnen.“ Außerdem muss man selbstständig arbeiten können. Man braucht auch ein wenig handwerkliches Geschick, wenn auch nicht ganz so viel wie als Konditor. Mit der Zeit bekommt man auch ein Gefühl für die Rezepte und Gewichtangaben und kann einiges besser abschätzen. Es ist auch nicht gut, wenn man als Bäcker Einzelkämpfer ist. „Jeder arbeitet an seiner Station. Die Übergaben zum nächsten Arbeiter müssen also funktionieren, damit der Prozess nicht ins Stocken gerät.“

Und wie schlimm ist nun das frühe Aufstehen wirklich? „Mich betrifft es zum Glück nicht.“ Sagt Steffen und grinst. In der Produktion wird in Schichten gearbeitet, sodass die Brötchen rechtzeitig an alle Filialen geliefert werden können.

Im Moment kann sich Steffen Daniel nicht vorstellen, woanders zu arbeiten. „Ich bin gerne hier. Wenn es sich ergeben würde, würde ich allerdings noch mal nach Italien gehen, um zu gucken, was aus meinen Kollegen dort geworden ist.“

Nach einer Bäckerlehre hat man auch gute Weiterbildungsmöglichkeiten. „Man kann seinen Meister machen oder sich als Techniker spezialisieren. Dort werden dann vor allem betriebswirtschaftliche Felder geschult. Auch eine Weiterbildung zum Konditor ist möglich.“