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Der Rock’n’Roll-Express rollt

Afterwork

Cottbus Konzerte der Beatsteaks sind ein Husarenritt durch die Musikgeschichte. Punk, Rock, Ska, Singer/Songwriter – all das vermischen die fünf Berliner Musiker zu einem süßen Rock'n'Roll-Bonbon. Bunt, süß und süchtig machend.

Es gibt Bands, die schaffen es, all ihr Wollen und Können in ein paar Strophen zu packen. Liegen sie damit auf derselben Frequenz wie das Publikum, werden daraus Hits. Ein paar wenige Musik-Gruppen schaffen es, permanent in der Frequenz des Publikums zu funken. Die Beatsteaks haben am Mittwochabend gezeigt, dass sie zu dieser kleinen Gruppe Musiker gehören.

Los ging es mit einer Hommage und klaren Ansage gleichermaßen. Bevor die fünf Berliner die Bühne entern, dröhnt aus den Boxen „Don't stop me now“ von Queen. Der Text ist wörtlich gemeint. Die Rock'n'Roll-Dampflok Beatsteaks schnauft und stampft an diesem Abend zwei Stunden durch die Messehalle.

Licht aus, Arme hoch, Licht an, erster Song: Big Attack von der 2004 erschienenen Platte Smack Smash. 2200 Gäste fangen gleichzeitig an zu tanzen. Zwar ist die Messehalle damit nur mäßig gefüllt – es passen 5000 Leute in die Halle – doch als die Beatsteaks 2008 im Glad-House gespielt haben, kamen „nur“ 700 Leute.

„Das ist etwas Besonderes“, sagt Sänger Teutoburg-Weiß zum Konzert in Cottbus. Ein Teil seiner Familie stammt aus der Lausitz. Eine Hommage an die Herkunft ist auch das erste von drei Bühnenbildern (siehe Foto). Die fünf Beatsteaks spielen vor einer Plattenbaukulisse. Die Heimat der Musiker ist Ost-Berlin.

„Let's see“, „Monster“, „To be strong“ – die Beatsteaks spielen sich routiniert durch ihre mittlerweile 16-jährige Bandgeschichte. Ein Höhepunkt des Abends ist sicher „Under a clear blue sky“ – eines der wenigen Lieder, bei denen Sänger Arnim Teutoburg-Weiß das Mikrofon abgibt. Gitarrist Peter Baumann widmet das Lied seiner Familie. Sicher auch einer der emotionalsten Momente des Abends. Ein zweites Mal gibt Teutoburg-Weiß das Mikro bei „Frieda und die Bomben“ ab. „Eine kleine Stadt, die Häuser viel zu klein, und bis oben hin vollgestopft mit Träumen“, singt, ja schreit Gitarrist Bernd Kurtzke ins Mikrofon.

„Morgen soll in der Zeitung stehen, dass 2000 Freunde mit den Beatsteaks auf Tour gehen, die Messe kein Dach mehr hat und 20 Babys gezeugt wurden“, ruft Teutoburg-Weiß den Cottbusern zu. „Ach, was quatsch ick. Macht doch, was ihr wollt“, sagt er mit einem Lächeln. Es sind diese Momente, die ein Konzert der Beatsteaks von vielen anderen Rock-Konzerten unterscheidet. Diese Jungs sind weder abgeklärt noch hochnäsig. Die Beatsteaks haben Spaß. Keine Attitüden sondern Rock'n'Roll. Die Zuschauer danken es mit Beatsteaks-Sprechchören zwischen den Liedern.

Das Bühnenbild wechselt während der Show noch zwei Mal. Erst schmückt eine überdimensionale Schallplatte, später ein leuchtender BTSTKS-Schriftzug die Bühne. Am Ende der zweistündigen Show zaubern die fünf Musiker noch die ganz großen Hits aus dem Hut. „Hail to the freaks”, „Hello Joe”, „Let me in” und als großes Finale „I don't care as long as you sing”.

Bei dem letzten Stück entern auf Wunsch von Teutoburg-Weiß mehrere Fans die Bühne und springen und tanzen gemeinsam mit den Beatsteaks zu ihrem wohl größten Hit. Obwohl das Außenthermometer null Grad anzeigt, verlassen mehrere Besucher die Messehalle im T-Shirt – durchgeschwitzt und glücklich.

Autor: Alexander Dinger

Fotos: Michael Helbig

 

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