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Der heißeste Beruf der Lausitz

Reportagen

Schon seit mehr als 500 Jahren wird in der Lausitz Glas hergestellt und veredelt. Um 1930 erreichten die „Glashütten-Werke Weißwasser“ den Status des größten Kelchglasproduzenten Europas.

Bis heute wird diese Tradition weitergeführt, wenn auch unter anderem Namen. Nach der Wende, 1996, wurden die „Lausitzer Glaswerke“ privatisiert und von der „Stölzle-Oberglas AG“ übernommen, die dafür sorgt, dass Glas in Weißwasser seinen hohen Stellenwert behält.

„Richtige Glasbläser, die das ursprüngliche Handwerk noch beherrschen, haben wir heute vielleicht noch einen oder zwei. Angewendet wird es höchstens dann noch, wenn Besuchergruppen kommen“ erklärt Dieter Niemz, der eine der drei Produktionslinien bei Stölzle stellvertretend leitet. Die heutige Form der Glasherstellung per Maschine, die von Computern gesteuert und deren Arbeit nur noch von Menschen überwacht und gegebenenfalls korrigiert wird, ist viel effizienter. In der Produktion, die sich in Weißwasser hauptsächlich auf Kelchglasprodukte konzentriert, wird im Drei-Schicht-System gearbeitet. Dabei werden in jeder Schicht ca. 10.000 Gläser pro Herstellungslinie produziert. „Mit der traditionellen Form der mundgeblasenen Gläser, würden wir nur noch einen geringen Bruchteil pro Tag schaffen“ erklärt Dieter Niemz, die Umstellung auf die maschinelle Herstellung.

In allen drei Produktionslinien werden unterschiedliche Fabrikationsmechanismen mit unterschiedlich hohen Temperaturen angewendet. Es gibt jedoch eine Gemeinsamkeit der verschiedenen Kelchglasanfertigungen: Es wird immer zuerst der Kelch hergestellt, der erst dann mit dem separat erzeugten Stiel verschmolzen wird. Obwohl die Trinkgefäße nicht aus einem Stück entstehen, schafft Stözle Lausitz durch eine hohe Dichte des Glases, Stabilität.

Das Arbeiten bei Temperaturen bis ca. 1400 Grad ist anstrengend und gerade im Sommer eine enorme Belastung für den Kreislauf. Und da beschweren wir uns schon bei 38 Grad, bei denen wir vielleicht noch in klimatisierten Büros sitzen.

Aber auch Gefahren wie Verbrennungen beim Wechsel einer Blasform oder Schnittverletzungen im Brandbereich oder beim Aussortieren der Gläser, die Produktionsfehler enthalten, sind in diesem Job ständige Begleiter.

Auf meine Frage hin, was die Glasherstellung für Azubis attraktiv macht, schmunzelt der gelernte Kfz-Schlosser, Dieter Niemz, der als Maschinenfahrer bei Stölzle angefangen hat und nun nach mehr als 10 Jahren in diesem Unternehmen, als stellvertretender Linienleiter vorrangig Materialbestellungen erledigt und sich mit der Optimierung der Produktion beschäftigt. „Nach dem ich Ihnen jetzt erzählt habe, welche Gefahren dieses Berufsfeld mit sich bringt und ich Ihnen jetzt noch verrate, dass wir im Sommer in der Fabrikhalle Temperaturen zwischen 55 und 60 Grad haben, dürfte es schwierig sein, Schulabgängern unsere Arbeit schmackhaft zu machen. Ich denke, man muss für einen Beruf in der Glasherstellungsbranche geboren sein. Wenn man das ist, kann man in dem Job aber auch aufgehen und Spaß daran haben.“

Die attraktivste Stelle für junge Leute bei der „Stölzle Lausitz AG“ ist vermutlich die Arbeit am Computer. Da mittlerweile fast jeder Arbeitsschritt am PC programmiert wird, tragen die Computergenies eine enorme Verantwortung und leisten letztendlich einen entscheidenden Beitrag zu jedem, neu entstehenden Glasgefäß. Hinzu kommt, dass man die Chance hat, in einem, in unserer Region, sehr seltenen Gewerbe zu arbeiten. In Weißwasser selbst ist dies die einzige Glasproduktionsstätte, die noch Trinkgefäße herstellt.

Auch wenn es mit Sicherheit nicht einfach ist, Glas herzustellen, so ist trotzdem klar, dass wir hier einen der heißesten Jobs der Lausitz gefunden haben, der mit Temperaturen über 1000 Grad täglich eine neue Herausforderung bietet.

Ihr seid der Meinung das ist noch nicht heiß genug und ihr kennt Jobs bei denen man noch mehr ins Schwitzen kommt? Dann schreibt uns einen Kommentar oder eine Nachricht mit euren Erfahrungen die ihr vielleicht selbst gemacht, oder von anderen gehört habt.