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Der gläserne Bewerber

How To

Personalchefs überprüfen immer häufiger Netzwerk-Profile von Kandidaten. Immer mehr Personalchefs verschaffen sich im Internet einen ersten Eindruck von Bewerbern. Wer hier punkten will, muss darauf achten, dass die im Internet verfügbaren Informationen einen positiven Gesamteindruck vermitteln.

Im Internet unauffällig zu bleiben erschien vielen Arbeitnehmern bis vor Kurzem erstrebenswert. Doch das habe sich gewandelt, sagt Michael Heidelberger vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Denn die Personalchefs von Unternehmen suchten heute im Internet systematisch nach Angaben über einen Bewerber, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Im Normalfall überprüften sie die ersten zwei Seiten, die Suchmaschinen bei der Eingabe eines Namens ausgeben erklärt Heidelberger. Die Suchergebnisse sollten einen möglichst positiven Eindruck vermitteln. Deshalb empfehle es sich, an seinem Ruf im Netz zu feilen. Der beste Weg sei, selbst Inhalte ins Netz zu stellen, die den gewünschten Eindruck erzeugen. Dabei helfen Profile bei sozialen Netzwerken, erklärt Social-Media-Berater Jochen Mai. In Deutschland sei das Karriere-Netzwerk Xing sehr verbreitet. LinkedIn empfehle sich vor allem, wenn man international tätig ist. Zum Twittern oder Bloggen rät er besonders Angestellten in der Kommunikationsbranche. „Man sollte auf jeden Fall überall seinen Namen angeben und die verschiedenen Profile untereinander verlinken“, empfiehlt der Experte. Auch eine eigene Internet-Seite sei sinnvoll. Identifizierbar zu sein, ist vor allem für Menschen schwer, die einen gängigen Namen haben. Eine Möglichkeit ist, seinen Zweitnamen als Initial anzugeben. Aber auch Wohnort oder Branche als Zusatz können helfen, Verwechslungen auszuschließen.

Personalchefs achten neben einem positiven Gesamteindruck besonders darauf, ob sich die Angaben im Lebenslauf mit denen im Internet decken, sagt Heidelberger. „Man sollte unbedingt vermeiden, dass Ungereimtheiten auftreten. Karriere-Killer können aber auch unbedachte Äußerungen im Netz sein.“ Er selbst habe einen Bewerber gehabt, der gut zur ausgeschriebenen Stelle gepasst hätte, berichtet der Unternehmensberater: „Auf einem seiner Netzwerk-Profile hat er aber geäußert, dass er derzeit überhaupt keine Lust auf Arbeit hat.“ Der Mann war aus dem Rennen.

Punkte sammeln kann dagegen jemand, der in Blogs oder Fachforen mit kompetenten Beiträgen auftritt und gegebenenfalls zur eigenen Seite verlinkt. „Wenn man wenig Zeit hat, muss man gar keine eigene Webseite betreiben“, sagt Kommunikationsberater und Social-Media-Experte Klaus Eck aus München. „Oft reicht es schon, Kommentare auf anderen Seiten zu verfassen, die gelesen und verlinkt werden.“ Spuren hinterlassen und Engagement zeigen – das trage dazu bei, sich eine Reputation im Netz aufzubauen.

Auch Facebook-Profile tauchen in Suchmaschinen meist weit oben auf. Deshalb sollte man dort private und öffentliche Inhalte unbedingt sauber trennen. Klaus Eck empfiehlt bestimmten Berufsgruppen sogar, Facebook im Grunde gar nicht mehr für private Zwecke zu nutzen: „Menschen, die in der Kommunikationsbranche arbeiten oder in der Öffentlichkeit stehen, sollten Facebook ausschließlich als Reputationswerkzeug nutzen“, findet er.

Um immer auf dem Laufenden zu sein, was im Netz über die eigene Person steht, empfiehlt Eck kostenlose Dienste wie Google Alert, die einen benachrichtigen, wann immer der eigene Name im Internet auftaucht. Drei Stunden Arbeit wöchentlich für den Aufbau der Netz-Reputation können sich bezahlt machen, meint Jochen Mai. „Wenn im Bewerbungsprozess nur noch ein paar Kandidaten im Rennen sind, kann der Online-Auftritt das Zünglein an der Waage sein.“

Auf die Internet-Auftritte ihrer Bewerber werfen Personalchefs immer öfter ein Auge. Neben Webseiten gehören auch Profile in sozialen Netzwerken wie Facebook dazu.

Ein Artikel von Maria Fiedler