Navigation öffnen

Das volle Leben – Berufe in der Kirche

Studium

Von wegen altbacken, grau und eintönig: Ein Beruf bei der Kirche ist so vielfältig wie die Menschen selbst. Doch welche Jobs gibt es überhaupt in einer Gemeinde? Und was muss man dazu wissen? PLANBAR hat sich umgehört.

Kaffee trinken im Seniorenkreis und Kuchen essen beim Traugespräch – wenn Alina Erdem Freunden von ihrem Arbeitstag erzählt, hat sie schon so manchen Spott geerntet. „Dabei gehört zum Pfarrdienst ja einiges mehr: Predigten schreiben, die Finanzen der Gemeinde im Blick haben oder Sonntag frühmorgens aufstehen zum Beispiel“, erzählt die 30-Jährige.

Daniel Friedrich

Seit 2016 ist sie evangelische Pfarrerin in der Nähe von Lübben im Spreewald. Neun Kirchen und noch mehr kleine Dörfer zählen zu ihrem Pfarrbereich. „Klar, ich kann mir meine Arbeit selbst einteilen und muss, bis auf sonntags, früh nicht um Acht im Büro aufschlagen. Dafür lässt sich Privates und Berufliches nur selten trennen“, sagt Alina Erdem. Irgendwie sei sie immer „Frau Pfarrerin“. Und selbst wenn sie mit ihrem Hund Gassi gehe, bereite sie in Gedanken schon den nächsten Gottesdienst vor.

Neben vielen schönen Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen begleitet Alina Erdem Gemeindemitglieder auch auf ihrem letzten Weg, der Beerdigung. Ihr Beruf ist das volle Leben – und häufig ein Türöffner: „Wenn ich auf einer Party erzähle, was ich beruflich mache, dann sind die Leute schon sehr interessiert und kommen schnell ins Gespräch mit mir“, berichtet sie.

Von der Uni in die Kirche

Studiert hat die gebürtige Berlinerin Theologie an einer Universität: „Da sitzt man natürlich nicht den ganzen Tag im Kreis und betet, sondern lernt viel über Geschichte, wissenschaftliche Quellenarbeit und alte Sprachen – Klausuren inklusive.“ Das Studium sei ein langer und schwerer Weg gewesen, an dessen Ende ein zweieinhalbjähriges Vikariat steht, eine Art praktische Ausbildung in Begleitung eines Mentors. „Ich habe die ganze Zeit an meinem Ziel festgehalten. Wenn man mit dem Herzen dabei ist, dann geht das auch“, meint Alina Erdem.

Daniel Friedrich

Auch Frauke Fischer (27) gehört zum jungen Team der Gemeindemitarbeiter im Spreewald. Seit Mai 2017 ist sie evangelische Gemeindepädagogin in Lübben und arbeitet vor allem mit Kindern. „Ich gestalte Vorschulkreise im Kindergarten, bin für die Christenlehre zuständig und helfe auch bei den Kinderkirchentagen mit“, berichtet sie. Die Arbeit mit den Jüngsten der Gemeinde mache viel Spaß, „auch das Verhältnis zu den Kollegen und Vorgesetzten ist ein sehr persönliches“, sagt sie über den Arbeitgeber Kirche.

Nach dem Lehramtsstudium für evangelische Religionslehre mit dem Schwerpunkt Ethik absolvierte Frauke Fischer eine nebenberufliche Ausbildung zur Katechetin (Gemeindepädagogin): „Dabei lernt man zum Beispiel, wie man Kindern verständlich Geschichten erzählt, mit ihnen singt oder Kindergottesdienste gestaltet.“ Nach und nach übernahm sie eigene Gruppen und damit auch jede Menge Verantwortung.

FSJ in der Kirche

Daniel Friedrich

Unterstützung bei der Gemeindearbeit erhält sie von Maxi Herzog. Die 19-Jährige entschied sich nach dem Abitur für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Diakonie, einem sozialen Dienst der evangelischen Kirche. Seit einem guten Jahr ist sie in der Lübbener Kirchengemeinde eingesetzt – eine Gemeinde, in der ihr bereits viele Gesichter vertraut sind: „Ich habe vorher schon eine Zeit lang die Christenlehregruppen ehrenamtlich geleitet, das war für mich sehr bereichernd. Nun helfe ich bei der Arbeit mit Kindern, in der Jungen Gemeinde, bei Frauenkreisen oder bereite Gottesdienste mit vor. Besonders freut mich, dass ich richtig eingebunden bin und nicht nur mitlaufen darf.“

 

Das FSJ in der Kirchengemeinde hat auch ihren beruflichen Zukunftswunsch gestärkt: Sie möchte „Soziale Arbeit“ studieren und später vielleicht einmal als Gemeindepädagogin tätig sein – so wie Frauke Fischer. „Uns gefällt es, ein wichtiger Teil der Gemeinde zu sein, persönliche Gespräche über Gott und die Welt zu führen und jeden Tag anderen eine Freude zu machen“, sind sich beide einig.

Es gibt noch viele weitere Berufe, die bei der Kirche angesiedelt sind: So arbeiten viele Altenpfleger, Erzieher und Sozialarbeiter in Einrichtungen, die von der evangelischen oder katholischen Kirche betrieben werden. Kirchenmusiker gehören ebenso zu einer Gemeinde wie Verwaltungsfachangestellte. Mit einem Theologiestudium kann man übrigens nicht nur Pfarrer werden, sondern auch an Volkshochschulen lehren oder als Journalist arbeiten. Oder Politiker werden, so wie der frühere Bundespräsident Joachim Gauck.