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Was darf Satire?

Reportagen

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten […] Eine Zensur findet nicht statt.“ §5 Grundgesetz

Leider wurde in unserem Nachbarland Frankreich am 7. Januar in Paris ein kritischer Stift gewaltsam zum Schweigen gebracht. Gegen 11:30 Uhr drangen zwei bewaffnete Männer in das Gebäude der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ ein und ermordeten elf Personen und verletzten 10 weitere. Auf der Flucht erschossen sie dann zusätzlich eine Person. Im Zusammenhang mit diesem Anschlag wurde am 8. Januar ebenfalls in Paris ein Polizist erschossen. Derselbe Täter überfiel am folgenden Tag einen Supermarkt für koschere Waren, tötete vier Personen und nahm die Übrigen als Geisel. Alle Attentäter wurden durch Sicherheitskräfte getötet.

Die Angreifer islamistischer Herkunft beriefen sich hierbei auf Rache für Mohammed, da die Satirezeitschrift Karikaturen des Propheten gedruckt hatte. Aus diesem Grund war es bereits 2011 zu einem Brandanschlag auf das Magazin Charlie Hebdo sowie auf den Urheber der Zeichnung, der dänischen Jylland-Posten gekommen.

 

Bereits am selben Abend fanden zahlreiche Solidaritätskundgebungen in vielen Städten Europas wie etwas Berlin, London, Rom und Madrid statt. Überall wurde der Slogan Je suis Charlie proklamiert  um die Anteilnahme und Zugehörigkeit der Leute zu zeigen. Es folgte eine Welle die sich auch in den sozialen Netzwerken ausbreitete. Auf Facebook und Twitter posteten viele Menschen ein Bild von sich mit der Aufschrift Je suis Charlie, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Die Medien schlossen sich an:  Viele große deutsche Zeitungen druckten die Cover von Charlie Hebdo oder Je sui Charlie auf der Titelseite.  Viele Zeichner und Karikaturisten reagierten ebenfalls und veröffentlichten Karikaturen zu dem Thema. Auf der ganzen Welt fanden Protestmärsche statt, der größte in Paris mit über 1,5 Mio.Teilnehmern. Auch viele internationale Staatsoberhäupter nahmen daran teil, neben Angela  Merkel und Francois Hollande auch 50 weitere Regierungschefs aus aller Welt.

Die große Frage nach dem Anschlag aber bleibt: Was darf noch veröffentlicht werden ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Pressefreiheit die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft und ein essentielles Menschenrecht sei. Viele Satiriker und Kabarettisten erklärten, dass sie ungehemmt weiter machen wollen, egal was komme.

Das Ziel der Terroristen, Angst und Schrecken mithilfe von Gewalt zu verbreiten, ist gescheitert. Im Gegenteil, die Welt rückt näher zusammen und vergisst für eine Weile ihre inneren Streitereien um geschlossen gegen den Terror vorzugehen.

Zum Ende bleibt die Frage: „Was darf Satire?“  Kurt Tucholsky, einer der größten deutschen Satiriker antwortet mit „Alles.“

 

Quelle Foto: www.twitter.com

Matthias Schmidt-Löbbecke