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Bonaparte im Interview

Musik

Vom 26. bis 28. Juli war das PLANBAR-Team beim Greenville Festival in Paaren im Glien. Bei einem spontanen Interview Termin mit Frontmann und Songwriter Tobias Jundt von Bonaparte konnten wir für euch rausfinden, was ihn prägt, was für ihn Musik bedeutet und wie PLANBRAR er die Zukunft findet. Viel Spaß beim Nachlesen dieses spannenden Interviews! Durchhalten lohnt sich!

Zum Ende der Schulzeit muss sich jeder Mal überlegen, wie es weitergehen soll. Wie war das bei euch? Du bist Musiker bei einer coolen Band. Wie bist du dazu gekommen?

Der beste Einführungssatz für dieses Interview und die beste Antwort auf deine Frage ist: Es ist nicht PLANBAR! [lacht] In jeder Lebensphase spürt der Mensch, sogar schon als Kind, was einem zusagt und was nicht. Und wo man noch was Eigenes dazugeben kann. Bei mir war das immer klar. Wenn ich den Tagebüchern meiner ersten Jahre, die ich nicht selber geschrieben habe [lacht], glauben soll, dann hab ich schon damals immer gesungen. Ich erinnere mich, dass ich seit sechs Jahre alt war schon immer Songs geschrieben habe. Und das hat sich echt gut angefühlt. Gerade als Kind macht man ja nur Dinge, die sich einfach gut an fühlen. Man macht und sagt als Kind immer tolle Sachen. Und dann wird man irgendwann erzogen. Erzogen ist ja auch ein total komisches Wort. Es ist ja wie Verzogen, ohne V. [lacht] Erzogen...

Und dann ist irgendwann die Frage: wählt man den Weg, den man für sich selber wirklich wählen will, oder wählt man den Weg, den jemand anders eigentlich für einen wählen will, oder denkt man anhand der Umstände, in denen man an dieser Wegbiegung steht, dass man das eine machen muss und nicht das andere machen kann.

Klar ist es für manche Menschen vielleicht einfacher, wegen den Voraussetzungen, die sie haben, auch das zu tun, was sie tun wollen. Aber ich glaube ja: zumindest in unseren Breitengraden kann man sich wirklich alles aussuchen. Man kann sagen, dass man gern das oder das tun möchte, aber es gibt keine Garantie für Erfolg. Es ist nicht PLANBAR. Es  gibt keine Garantie dafür, dass der Weg nicht steinig  ist. Aber das ist dann in dem Sinne auch egal, wenn man das tut, wozu man sich berufen fühlt. Die Steine, die dann im Weg liegen, sind sogar echt toll, sie fordern einen heraus. Man muss einen richtigen Weg drum herum finden, um zu wachsen. Und ich denke auch, dass für alle Leute, mit denen ich in Bonaparte rumreise, schon früh klar war, was sie wollen. Molly ist halt eine Tänzerin, eine Performerin. Jeder hat innerhalb der Show eine eigene Aussage und Idee, warum er tut, was er tut. Und für mich: ich schreibe meine Songs. Das war immer das, was ich konnte. Wahrscheinlich kann ich mich so sogar besser ausdrücken als in einem Gespräch. [lacht]

Haben deine Eltern denn irgendwann mal gesagt: „Lern doch was Vernünftiges!“ Was wäre das gewesen?

Also PLANBAR ohne das „AR“? Einen Plan B? [lacht] Mein Vater war ein sehr friedlicher Mensch, der hat sich eigentlich auch immer um sein eigenes Logbuch gekümmert. Entsprechend glaube ich, deren Plan war, dass ich mein eigenes Logbuch schreibe. Man denkt ja als Jugendlicher immer: „Oah, die denken jetzt ich bin voll der Teufel am Wagen fahren, weil ich hier irgendwas mache.“ Aber eigentlich wollen die auch nur, dass man seinen eigenen Weg geht. Mein Vater hat aber einmal die Tür zu meinem Zimmer eingetreten. Das war tatsächlich der Tag, an dem ich gesagt hab, dass ich Jazzmusiker werden will. Ich hätte in eine neue Schule gehen müssen und er wusste nicht, dass die Schule erst nachmittags begann. Er kam also nach Hause nach der Arbeit und ich habe noch geschlafen. Er dachte ich bin nicht zur Schule gegangen. Da hab ich gemerkt, dass er ein bisschen darüber nachgedacht hat, ob das jetzt  der richtige Beruf ist. Willst du, dass du damit ins Grab fällst, bis du 99 bist, und ernährst du davon deine Familie? Mein Vater war auch Musiker, hat Schalplatten gemacht in den 70ties und er hat halt 1973 aufgehört. Deswegen war das vielleicht so: „Okey, gut und recht, aber mach mal was Anständiges und so.“

Ich hatte aber nie Angst bei meiner Entscheidung.  Ich hab allgemein im Leben nie Angst. Das Überleben, das ist nicht das Thema. Du kannst immer irgendwas machen, wenn du mit Herzblut und Innbrunst was machst, dran bleibst und es anders und besser machen willst, als du selber am Tag zuvor oder als andere. Da würde ich jeden unterstützen, sein Ding zu machen. Aber  klar, für die Eltern ist das bestimmt nicht immer einfach. Aber auch die müssen wissen: „Mach deine Zukunft PLANBAR.“ - Ist eben nicht PLANBAR. Man kann nur Entscheidungen treffen. Man muss Entscheidungen treffen, immer wieder und immer wieder, aber es kommt sowieso anders.

Es ist wichtig Entscheidungen zu treffen, es ist wichtig zu planen. Ich finde es sehr wichtig zu planen, aber trotzdem ist nichts planbar. Denn es kommt anders. Das ist das Tolle dran. Aber man muss es trotzdem tun, weil: wenn man es nicht tut, dann passiert wahrscheinlich auch nichts.

Und wenn du schon immer sagst, es ist nichts PLANBAR: Eure Show ist ja auch etwas außergewöhnlicher als vielleicht manch andere. Ist die denn geplant? Wenn einer einen Einfall hat während der Show, macht der das einfach oder habt ihr eine vorgeschriebene Choreografie?

Nö, wenn einer einen Einfall hat, dann spielt man den. Wir haben alle ein Faible für Jazz Musik – das ist ein komisches Wort, weil: was heißt das? Das heißt im Grunde, Musik die im Moment entsteht. Bei Bonaparte ist es so:  ich schreibe, ich singe es. Ein Song ist dann, wie er ist. Wir spielen eben Songs, und entsprechend ist das auch nicht alles improvisiert, gar nicht. Und auch in der Show ist es so:  irgendwann nimmt man gewisse Sachen mit auf Tour. Die hat man dann dabei und dann gewöhnt man sich auch dran, bei dem Lied das zu machen und bei dem das. Und gerade wenn ein Festival ist, da hat man dann eher eine Show, weil du ja auch Leute rund rum hast, die wissen, was als nächstes für ein Song kommt. Die ersten Jahre bei Bonaparte war alles Chaos. Ich mag das total, aber das Chaos kann man auch fast nur im kleinen Rahmen machen. Dann ist es auch egal was passiert. Spiele ich jetzt den Song oder erfinde ich was, oder was mache ich. Bei einem Festival kannst du sowas nicht machen. Jetzt, spätestens heute Nachmittag, habe ich angefangen, zu schreiben, was ich für Songs spielen will heute Abend. Denn sonst sind die anderen ein bisschen vor den Kopf gestoßen, wenn die nichts wissen. Aber wir versuchen schon immer, wenn einer aus der Gruppe eine neue Idee hat, die auch anzunehmen. Oder derjenige macht es einfach. Und dann ist es vielleicht total gut. Ich probiere einen Rahmen zu geben, in dem dann Chaos passieren kann.

Die Inspiration für eure Show, wo habt ihr die denn her?

Ich glaube, das führt sogar auf deine erste Frage zurück. Für mich ist das Zentrale bei Bonaparte die Musik. Das geht vielleicht manchmal bisschen unter. Ich denke, dass die Menschen, die Bonaparte mögen, die Musik spüren. Die kennen die Texte und da geht es um die Musik im Kern.

Es ist so, dass wir bei uns auf dem Bachboden Kisten hatten. Jedes Jahr schickten mir meine Tanten Kisten nach, Kisten mit Kostümen. Die Basler Fasnet ist eine Tradition, man trägt niemals zweimal das gleiche und man macht seine Kostüme selber. Deshalb haben wir eben viele Kisten mit Sachen. Wenn andere Kinder zum Spielen kamen, dann gingen wir halt zum Dachboden und haben halt irgendwelche Masken und Outfits ausprobiert. Das habe ich lange vergessen, aber ehrlich gesagt: Ich finde ja Bonaparte schon gar nicht anders. Ich finde bloß, die anderen machen es nicht. [lacht] Ich finde es ja gar nicht anders. Ich finde es auch nicht extrem oder auch nicht krass. Für mich ist es so. Ich find nur so viele andere Konzerte manchmal ein bisschen langweilig. Dann höre ich mir lieber die Musik zuhause an und lass mich massieren. Nein, bei einer Show muss mich ein Musiker wirklich packen, wie er singt. Die Musik, und gerade bei Festivals find ich das, da muss man anders sein. Wir sind auf der Bühne jeden Abend, 90 Minuten vielleicht. Das sind 90 Minuten jeden Tag. Der Tag hat 24 Stunden. Was machst du die 24 Stunden? Okey, du sitzt hier rum in Catering und die Leute, mit denen du da bist, sind irgendwie andere Musiker. Oder du bist 24 Stunden auf Achse und du hast Leute bei, die halt aus verschiedenen  Ecken kommen, Leute, die du kennst, nicht weil sie Musik spielen, sondern weil sie was anderes machen. Ich glaube vieles bei Bonaparte ist daraus entstanden, dass ich auf diesen Reisen Leute mitgenommen habe, die ich toll fand als Menschen, weil man unglaublich viel Zeit miteinander verbringt. Die Bühne ist nur ein Element. Entsprechen habe ich halt auch sehr früh Leute mit auf die Bühne genommen, die gar kein Instrument spielen. Das ist aus einem menschlichen Moment heraus entstanden, dass ich halt Leute mitnehmen wollte, mit denen ich rumreisen wollte. Dann war mir egal, was die machen. Wir hatten auch Juval, den Koch von der Bar25, mal dabei. Der hat Würstchen gebraten auf der Bühne. Warum wird auf der Bühne sonst nie Essen zubereitet? Es gibt ja Leute, die haben auch Hunger und Durst, kann man ja verteilen an die Leute. Warum macht das keiner? Warum gibt’s in keiner Band einen Koch? Oder? Auf der Bühne? Aber der Kern von allem, für mich, wie gesagt, ist definitiv die Musik. Wenn ich nicht auf der Bühne bin, dann schreibe ich selbst Songs und Texte, sitze im Studio und überlege irgendwelche Sounds, bastle an irgendwas rum und das ist schon auch der Kern von allem. Ohne die Songs gibt es alles andere nicht, das darf man nicht vergessen. Da ist viel mehr Gewicht auf der Musik, als manche da draußen vielleicht gerne wahrhaben möchten. Es gibt viel mehr Musik.

Um vielleicht mal auf eure Musik zu kommen...

..die ist scheiße, ja [lacht].

Nein! Aber ich meine es gibt ja ganz viele Leute, die immer wieder versuchen Worte zu finden für eure Musik. Wie würdest du denn beschreiben, was eure Musik ist?

Ich bin froh, dass ihr das müsst, weil ihr Journalistinnen seid. Ich muss es nicht, ich muss meine Musik spielen. Ich muss diese Gefühle kreieren können, ich muss nicht über sie sprechen können. Wenn ich es könnte, müsste ich ja vielleicht keine Songs schreiben, sondern über meine Gefühle sprechen. Oder die Welt erklären. Aber ich vermesse die Welt, indem ich sie in kleinen Stückchen in Musik und Text packe. Jeder Moment in einem Song, jeder kleine schnipsel ist ja wieder ein anderes Konstrukt. Das ist wie Architektur. Es ist wie jede Sekunde ein neues Haus bauen. Und das ergibt dann diesen Straßenzug, den man Song nennt. Wenn ich für Bonaparte schreibe, dann habe ich schon ein Gefühl, es gibt viele Songs, die ich jetzt schreibe für mich, die würde ich nie mit Bonaparte spielen, weil das für mich nicht Bonaparte ist. Bonaparte ist ein Stück Kuchen in meinem musikalischen Universum, aber es ist ein Stück Kuchen, was ich unglaublich gern esse. Und an dem ich auch – solange es sich immer erneuert – essen werde, weil es total viel Spaß macht. Ich würde sagen bei Bonaparte-Musik ist nicht der Stil ist entscheidend, sondern eine gewisse Haltung. Ich könnte mit Bonaparte eine Mambo-Platte machen, ich könnte eine Death-Metal-Platte machen,  ich könnte eine Goth-Platte machen, ich könnte eine Dixieland-Platte machen... ich könnte in jedem Musikstil eine Platte mit Bonaparte machen und es wäre eine Bonaparte-Platte. Ich glaube, das ist wahrscheinlich ein bisschen der Grund, warum ich überhaupt irgendwann auf Bonaparte gekommen bin. Ein Gefäß zu schaffen, in dem ich Musik mache, die für das funktioniert, was ich kann und wo ich das nicht reinpacken muss, was ich nicht kann oder wo es scheiß egal ist. Eine Musik, die halt einfach dem entspricht, was ich als Mensch auf der Bühne der Welt geben kann. Man sagt: Elektro-Punk. Pop sagt man eigentlich nie, dabei ist Bonaparte eigentlich eine Art Pop. Ich finde es sind Songs, und die sind nicht nur unpopulär. Andersrum würden wahrscheinlich die anderen sagen, es ist Indie – was ist denn das? Auf der einen Seite sind wir sehr independent, auf der anderen Seite kacke ich auf alles. Weil es nicht wichtig ist, in welchen Konstrukt und in welchem Jahr wir arbeiten. [überlegt] Indi, weiß ich auch nicht, was das ist. Pop. Wenn man sagt „Popmusik“, dann  denkt man an andere Musik...

Für mich ist es ein kleines Fenster in meiner Musik. Ich würde auch nicht Musik wie Bonaparte hören, wenn ich ehrlich bin. Aber muss ich auch nicht, ich spiele sie ja. Es macht Spaß, sie zu spielen. Es geht um den Moment. Ich will die gar nicht hören. Warum sollte ich Bonaparte hören? Ich mache ja Bonaparte, dann muss ich es nicht hören. Wenn ich Musik mache, dann höre ich mir lieber Kinderlieder an, oder irgendwelche obskuren Platten aus irgendwelchen Ländern, mit Stimmungen. Ich will ja meinen Alltag untermalen. Und wenn ich mir die Zähne putze, dann höre ich was anderes, als wenn ich Liebe mache, als wenn ich nackt im Pool liege. Wenn ich einen hätte, würde ich, wahrscheinlich eine alte ten inch venul Platte hören, die kratzt, mit irgendeinem obskuren Mambo Orchester, vom Flohmarkt. Und wenn ich Holz hacken würde vorm Haus, höre ich wieder was anderes. Holzhacken ist etwas sehr tolles, sollte jeder mal tun.

Tim Renner hat mir sein neues Buch geschickt, über Musik. Da war so ein Satz drin: Musik, wo die Leute auf die Straße gehen und sich die Köpfe einschlagen, und so weiter. Ich habe dann kurz nachgedacht und ich würde eher sagen: von allen Kunstrichtungen ist Musik die direkteste. Ich mag alle Arten der Kunst. Ob ich nun ein Buch lese oder ins Theater gehe oder mir ein Bild an die Wand hänge: das hat alles seine Kraft und erreicht  dich auf einer ganze anderen Ebene. Aber die Musik ist von allen Kunstrichtungen irgendwie die direkteste und die kraftvollste. Aber ich glaube nicht, dass die Leute für die Musik auf die Straße gehen. Ich glaube vielmehr die Musik begleitet immer irgendetwas. In gewissen Musikrichtungen sagt man, Musik darf nicht Hintergrund sein oder etwas begleiten. Ich hatte eine sehr lange Phase, wo ich so ein intellektueller Musiknazi war, da hätte ich Bonaparte gehasst oder alle Popmusiker, weil ich dachte, wenn Musik läuft, dann darf man nur diese Musik hören und nichts anderes tun, man muss nur Augen zu machen und diese Musik hören, aber das ist irgendwie bescheuert. Das kann man zwar machen, ist auch total schön, aber Musik begleitet eigentlich immer irgendetwas: Trennung, Liebe, Autofahren, irgendetwas Bauen, Putzen. Musik begleitet das Leben und das ist ja eigentlich das total Tolle daran: Musik ist da, wenn wir sie nicht mal hören. Musik begleitet ja, und entsprechend für mich als der, der ich Musik mache und als Mensch, der ich lebe, mache ich ja nicht Musik, die man immer hören soll. Es ist Musik für einen Moment. Und ich als Mensch höre alle Arten von Musik, in verschiedenen Momenten. Ich höre tatsächlich jede Art von Musik, und ich kann es total abfeiern, wenn der Moment stimmt. Und das ist das total Schöne an Musik, wenn man sich soweit öffnet, ist es eigentlich so toll. Dann ist es echt grenzenlos.

Was wäre denn dein Ratschlag für die, die jetzt noch unsicher sind, wie es weitergehen soll? Die nicht wissen, ob sie eine Ausbildung oder ein Studium machen und was sie mit ihrem Leben generell anstellen wollen?

Das Problem ist ja der Moment. Klar, man denkt vielleicht: jetzt entscheidet sich alles. Das Leben ist ja nun mal so, dass man sich immer wieder entscheiden muss. Immer wieder kommt man an diese Weggablungen und fragt sich: gehe ich zurück, gehe ich links, gehe ich rechts, bleibe ich stehen, trete ich ein Jahr am Platz und gehe dann gehe ich weiter – so viele Möglichkeiten gibt es.

Aber ich denke, gerade in dem Alter denkt man so: „Oha, jetzt entscheidet sich alles, und wenn ich jetzt ein Jahr nichts mache, bin ich der totale Looser und dann verpasse ich den Zug.“ Erstens: das ist sowieso nicht wahr. Denn im Nachhinein macht alles Sinn, sogar die Sachen, bei denen man sehr sehr lange denkt, warum habe ich das nicht getan, oder das nicht gemacht. Es macht irgendwann mal Sinn! Das ist für mich, bei all dem Wahnsinn, den ich leben darf, eine sehr tolle Weisheit.  Man muss die Entscheidungen  treffen und wenn man sie getroffen hat, dann hat man sie getroffen und dann ist das auch gut so. Auch wenn das in dem Moment dann erst mal noch keinen Sinn macht und der persönliche Aktienkurs ein paar Monate nicht so hoch steht, irgendwo wird sich eine Tür öffnen. Irgendwo werdet ihr die falsche Abzweigung nehmen und da ist die Antwort auf die Frage, und plötzlich wisst ihr, deshalb hab ich das eine nicht getan oder deshalb hab ich diese Prüfung in den Sand gesetzt. Weil ihr diese Person kennengelernt habt und dann gemerkt habt: das ist es, was ich, tun will im Leben. Und ich glaube, daran muss man einfach glauben. Es gibt ja keine Rezepte für nichts. Es wird immer vorgegaukelt, dass es für alles Rezepte gibt, aber das gibt es nicht. Es gibt Rezepte zum Kochen, ja, aber nicht im Leben. Und auch eine Zeitlang den „falschen“ Weg zu gehen, kann eine unglaubliche Kraft in euch erzeugen. Ich denke Bonaparte würde es auch nicht geben, wenn ich nicht längere Zeit Wege gegangen wäre,  wo ich immer das Gefühl hatte, das ist aber gar nicht mein Weg. In dem man das tut, ist es möglich, dass ihr eine Kraft erzeugt, mit der ihr dann etwas reißt, was ihr sonst nie gerissen hättet. Wie gesagt, es macht alles irgendwann Sinn.

Es ist schwierig, einen Ratschlag zu geben, denn jeder ist in einer Situation, in einem Moment, wo er was entscheiden muss, und der ist ja immer total anders. Und ich glaube man darf da nicht bitter werden und denken: Ja , das ist ja klar, schließlich hat der die Möglichkeiten oder dessen Eltern sind reich oder der hat ja gute Noten oder so oder so... Das ist alles echt nicht wichtig, weil es was Schönes ist, wenn man viel durch die Welt gereist ist und viel erlebt hat. Und man sieht, am Ende des Alters ist es so scheiß egal, denn wir haben nicht alle die gleichen Möglichkeiten. Aber wir sind alle einfach Menschen. Insofern glaube ich, es gibt immer einen Weg, dahin zukommen, wo du hin willst, aber für manche geht die Tür einfach auf – flupp – und manche, die müssen Stockwerke, Treppen laufen ohne Lift. Aber ich weiß, dass die automatische Tür, die flupp auf und zu geht, für den Menschen manchmal gar nicht der bessere Weg ist. Die, die den einfach einen Weg nehmen durften, sind definitiv nicht glücklicher als die, die die Treppe gelaufen sind, und das ist einfach wichtig. Man muss sein Ding machen und nicht bitter werden. Ich glaube das ist das wichtigste, wenn man nicht weiß, was man mache will. Wenn man keine Zukunft sieht, dann würde ich mich definitiv nicht einer politisch dubiosen Gruppe anschließen. Sondern wenn ihr es könnt, nehmt euch eine Auszeit. Wenn ihr es euch nicht leisten könnt, nehmt eine Auszeit, in der ihr irgendwas arbeitet. Aber nicht mit dem Gedanken:  das mache ich jetzt für den Rest meines Lebens, sondern einfach: ich mache die Warterunde. Das ist echt kein Problem. Man denkt ja so: „Boah, dann bin ich so alt nach einem Jahr.“ Es geht immer, dass man zurückschraubt auf ein Minimum, dass man möglichst keine Lebenskosten hat, und dann macht man irgendwas, was einen über die Runden bringt. Denn das Harte ist: wenn man zu fest sucht, ist es sehr schwer zu finden. Es kann auch okey sein, ein Jahr zu sagen „Fuck, ich wohne jetzt wieder bei meinen Eltern.“ [lacht] Irgendwo gibt es immer etwas, was man machen kann. Sich ein bisschen Zeit zu nehmen ist echt etwas, was ich total okey finde... Aber ansonsten: Haut auf die Kacke, macht euer Ding!

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