Navigation öffnen

Cool bleiben auf dem heißen Stuhl

Bewerbungsverfahren

Kennt ihr die Sprüche genauso gut wie ich? „Junge, du musst ein perfektes Abschlusszeugnis haben. Das ist deine Zukunft. Nur wenn du super Noten hast, bekommst du später mal einen ordentlichen Job“, hat meine Mutti immer gesagt.

Inzwischen bin ich derjenige, der solche Sprüche klopft. Nein, nicht zu meinem Kind, sondern zu meiner Schwester. Die ist im Moment in der 7. Klasse und so langsam geht es los. Alles ist wichtiger als die Schule. Kenn ich nur zu gut! War bei mir nicht anders. Zählt für dich Party, mit Freunden am Strand liegen oder was trinken gehen und am Computer zocken auch mehr als lernen und Hausaufgaben machen? Tja, wenn es erst mal so weit ist und du dann das Abschlusszeugnis in der Hand hältst, ärgerst du dich vielleicht. Ich hab mich auch ein bisschen geärgert. Und dann geht’s erst richtig los. Die fiesen Fragen beim Vorstellungsgespräch. „Warum war denn in Mathe nur eine drei drin?“, oder „Sie haben bereits zwei Studiengänge begonnen und nicht abgeschlossen. Woran lag’s denn?“. Nicht gerade die glänzenden Punkte im Lebenslauf. Doch wie antwortet man denn nun richtig auf solche Fragen? Grundsatz: Immer ehrlich sein. Die Antwort aber elegant verpacken …

Warum hat’s in einem Fach nur zu einer durchschnittlichen Note gereicht?

Tief durchatmen! Wenn die Note zu schlecht gewesen wäre, hätte dich keiner zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Also ehrlich Antworten. Zum Beispiel in die Richtung: „Sie wissen doch wie das ist. Als Schüler beißt man sich nicht gern in Themengebiete fest. Aber inzwischen hat sich das geändert. Heute bin ich da schon zielstrebiger und hatte auch die Gelegenheit einige Themen die mir nicht so gelegen haben nachzuarbeiten.“ Oder du antwortest über die Interessenslage. Punkte am Besten, in dem du ein anderes Fach, in dem du eine gute Note hast als Vorteil anführst und sagst, dass du dir trotzdem in den Fächern, in denen du nicht so gut warst Mühe gegeben hast und dir deine Note dennoch erkämpfen musstest. Die Personaler wollen den Bewerber mit einer solchen Frage ein wenig unter Druck setzen, um zu sehen, wie du in stressigen Situationen reagierst.

Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?

Neben der konkreten Beantwortung der Stärken und Schwächen interessieren den Personaler vor allem der Umgang mit dieser Frage und die Reaktion sowie das Selbstbild des Bewerbers. Deshalb gehört es zu einer guten Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch, sich mit den eigenen Stärken und Schwächen ausführlich auseinanderzusetzen, ein Vorgehen für die Beantwortung auszuarbeiten und gleichzeitig für die typischen Antworten auf die Frage nach den Stärken und Schwächen, die den Personaler eher entnerven, nachvollziehbare Alternativen zu finden. Punkten kannst du mit einer Antwort die gleichzeitig eine Stärke und Schwäche ist. „Als Stärke würde ich meine Zielstrebigkeit sehen. Die kann aber gleichzeitig auch eine Schwäche sein. Wenn ich nicht sofort auf mein Ziel zusteuere, beiße ich mich gerne im Thema fest und arbeite solange daran, bis ich eine Lösung gefunden habe. Dabei achte ich dann auch nicht auf einen pünktlichen Feierabend.“

Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?

Achtung! Das ist eine Kontrollfrage. Der Personaler will gerne noch einmal überprüfen, ob du beim Thema Stärken die Wahrheit gesagt hast. Also gut auf die Frage vorbereiten. Auch hier gilt: „Nobody is perfect“ – deshalb kannst du ruhig auch eine Schwäche zugeben. Wenn du nur Stärken aufzählst, bekommt dein Gesprächspartner schnell das Gefühl, du willst dich nur verkaufen.

Wieso haben Sie sich für eine Lehrstelle als Bäcker, Zimmermann, Krankenschwester entschieden?

Wenn du dich für einen Beruf entschieden hast, musst du natürlich auch begründen können, warum es gerade der Beruf sein soll. Wenn du das nicht kannst, bekommt dein zukünftiger Chef schnell das Gefühl, du willst den Ausbildungsplatz nur haben, weil dir gerade nix besseres eingefallen ist. Deine Berufswahl sollte immer was mit persönlichen Interessen zu tun haben… Also überleg dir genau was du z.B. als Hobby  oder Interessen angibst.

Wieso wollen Sie Ihre Ausbildung gerade bei uns absolvieren?

Achtung! Niemals antworten, dass du eine Stellenanzeige gesehen hast, die zu deinem Suchprofil gepasst hat. Die Personalleiter wollen merken, dass man sich mit dem Unternehmen identifizieren kann. Deshalb: Informiere dich auf der Homepage des Unternehmens über das Profil der Firma, bei der du zum Vorstellungsgespräch eingeladen bist.

Was haben Sie im Zeitraum zwischen … und … getan?

Böse Falle! Die Chefs legen vor allem auf eines Wert: Keine Lücke im Lebenslauf haben. Wenn du doch eine hast, musst du natürlich damit rechnen, dass du danach gefragt wirst, was du in dieser Zeit gemacht hast. Zeiten, in denen du Arbeitslos warst bezeichnest du am Besten als Selbstfindungs-Phase. Deswegen: Bist du zum Gespräch geladen, schau dir deinen Lebenslauf noch einmal an.

Warum sollten wir gerade Ihnen die Stelle als… geben?

Wieder Durchatmen! Das ist keine schlimme Frage, sondern eine gute. Warum gerade du und nicht die 20 anderen Bewerber, die zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden sind. Du hast keine Ahnung? Hmm, schlecht. Der Personaler will nämlich Druck auf dich ausüben, um nochmal zu sehen, ob du alle Stresssituationen überstehen kannst. Eine gute Antwortmöglichkeit ist, nochmal auf die persönlichen Stärken einzugehen, den Willen zu Lernen sowie die Identifikation mit dem Unternehmen zu unterstreichen.

Wie stehen Sie zu der aktuellen Entwicklung um…?

Tja, das ist die eine Frage, auf die sich keiner so richtig vorbereiten kann. Hier will der Gesprächspartner sehen, ob du dich mit Politik, Gesellschaft und allen anderen wichtigen Themen beschäftigst und an aktuellen Entwicklungen interessiert bist. Da reicht es leider nicht, nur mal schnell die TV-Nachrichten zu schauen. Du solltest Zeitung lesen, um auch ein paar Hintergrund-Infos zu haben.

Sollte sich aus der Antwort heraus eine Frage in Richtung Parteizugehörigkeit oder Glauben entwickeln…

… musst du nicht antworten. Das ist eine unzulässige Frage. Aber fahr dem Chef nicht mit Statements wie „das dürfen Sie nicht fragen“, oder, „darauf muss ich nicht antworten“, über den Mund. Antworte elegant. „Meine politische Gesinnung hat keinen Einfluss auf meine Meinung, denn meine Meinung bilde ich mir objektiv durch eine Vielzahl von Informationen.“

Haben Sie noch Fragen an uns?

Natürlich! Ich will wissen, wie viel Kohle es für den Job gibt, und wie viel Urlaub ich habe! NEIN! Das sind Fragen, die du im Vorstellungsgespräch nicht stellen darfst! Der Personaler bekommt sonst das Gefühl, du willst schon nach einer Woche Urlaub sofort eine sechs wöchige Amerikarundreise machen. Eine sehr angenehme Frage ist zum Beispiel die Frage nach Weiterbildungsmöglichkeiten im Unternehmen. Das zeigt, dass du interessiert bist, dein Wissen noch zu erweitern, dass du engagiert und motiviert bist. Mitarbeiter, die sich fortbilden wollen, entwickeln das Unternehmen nach vorn und sind immer eine Bereicherung.

Du kennst noch mehr fiese Fragen? Du hast vielleicht selbst schon mal eine solche Frage gestellt bekommen und wusstest keine Antwort? Dann schreib uns doch einen Kommentar oder schicke uns eine Nachricht.