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Bewerbungsfalle Social Media

Bewerbungsverfahren

Das PLANBAR-Team sprach mit Julia Netzker, Beraterin für akademische Berufe an der Agentur für Arbeit Cottbus, warum Social Media ein wichtiges Thema für Arbeitgeber sind

Warum ist es als Bewerber so wichtig, seine Social Media-Accounts im Blick zu haben bzw. sie sogar zu optimieren?

Mittlerweile ist fast jeder vernetzt! Auch die Unternehmen nutzen Online-Accounts, um sich zu präsentieren. Es wird immer wichtiger online auffindbar zu sein und sich hier vor allem positiv zu präsentieren. Twitter-Streams oder die Facebook-Seite eines Unternehmens können helfen, Informationen über den Arbeitgeber zu erhalten und das in kompakter Form. Die Unternehmen wollen gerade junge Menschen über Online-Kanäle erreichen. Nicht selten googeln sie aber auch ihre Bewerber, um ihre Netzpräsenzen zu checken. Das kann gut oder schlecht für den Bewerber sein. Bei öffentlichen Profilen zeigt man sich mit jedem Post, Repost, mit jeder Gefälltmir-Angabe, mit jedem Bild oder Video.  Das muss einem bewusst sein.

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Julia Netzker Anja Hummel

Was sind die Bewerbungs-Killer schlechthin auf Social Media-Accounts?

User geben in den sozialen Netzwerken unbedacht oft sehr persönliche Informationen preis. Manchmal sind sie sich nicht im Klaren darüber, welche Folgen das haben kann. Das liegt daran, dass sich meist keine direkten Konsequenzen ergeben. Das kann sich jedoch schnell ändern, gerade dann, wenn das eigene Profil nicht nur für Freunde, sondern für alle zugänglich ist.

Soziale Netzwerke werden oft genutzt, um Meinungen und Ansichten zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen zu veröffentlichen. Das ist ein Privileg. Dennoch sollte man auch hier ein Auge darauf haben, was öffentlich geäußert wird. Schnell ist über das Smart-Phone ein Kommentar gepostet und nicht selten verpasst man noch einmal drüber zu lesen. Arbeitgeber machen sich anhand der Posts einen Eindruck von den Rechtschreibfähigkeiten und dem Ausdruck. Es liegt auf der Hand, dass auch unangemessene Partyfotos oder unpassende Kommentare nicht ins Netz gehören. Auch Fotos, die von anderen eingestellt werden, sollte man im Blick haben und denjenigen bitten sie zu entfernen, wenn man nicht will, dass jeder sie zu sehen bekommt.

Ich empfehle jedem seine Privatsphäre-Einstellungen genau zu überprüfen.

Mit welchen Tricks können Facebook, Twitter & Co. für den potenziellen Arbeitgeber optimiert werden?

Hier geht es darum,  seine „Schokoladenseite“ zu präsentieren – genauso  wie man es im Vorstellungsgespräch tun würde. Es kann sinnvoll sein, Infos zum sozialen Engagement oder ehrenamtliche Tätigkeiten in die Chronik  aufzunehmen. Wie auch im klassischen Lebenslauf kann man sich mit seinen Hobbys und Interessen zeigen. Gerade in der Kreativbranche hat man die Möglichkeit sich über Instagram & Co. mit seinen Bildern oder Videos interessant zu machen. Im Bewerbungsanschreiben kann dann auf den Online-Auftritt verwiesen werden. In diesem Fall gilt aber, dass auch der Rest des Accounts unbedingt „vorzeigbar” sein sollte.

Alternativ könnte man sich einen Account extra für seine Bewerbungen einrichten. Entweder mit dem richtigen Namen oder einem angemessenen Nickname.

Es ist wichtig die Privatsphäre-Einstellungen genau zu überprüfen und sich zu überlegen, für wen das vollständige Profil einsehbar sein soll und wer Posts, Fotos und persönliche Angaben lesen darf.

Für gewöhnlich gibt es die Funktion „mein Profil für andere“. So hat man die Möglichkeit aus einer anderen Perspektive auf den eigenen Account zu schauen. Es kann aber auch bereits eine einfache Google-Suche des eigenen Namens oder seines Pseudonyms aufschlussreich sein. Eltern erweisen sich hierbei meistens als gute Ratgeber.

Können Social Media-Accounts auch aktiv und zielgerichtet für Bewerbungen genutzt werden? Wenn ja, wie funktioniert das?

Die „Twitter-Bewerbung“ gibt es in Deutschland bei der Ausbildungssuche noch nicht, aber viele große Firmen nutzen die sozialen Netzwerke, um für sich zu werben und ihre Stellenangebote zu veröffentlichen. In Chats oder Foren beantworten sie Fragen zum Beruf oder den Karrierewegen im Unternehmen. Damit sind die ersten Kontakte geknüpft. In der Bewerbung oder im persönlichen Gespräch kann man dann auf diesen Kontakt verweisen und zeigt gleichzeitig sein Interesse am Unternehmen.

Social Media kann für die Ausbildungssuche hilfreich sein. Allerdings ersetzt das nicht die klassische Bewerbung mit Anschreiben und Lebenslauf. Online-Bewerbungsverfahren laufen weiter über die Internetseiten der Betriebe und Online-Stellenbörsen, wie die Jobbörse der Agentur für Arbeit.

 

Das Interview mit Julia Netzker, Beraterin für akademische Berufe an der Agentur für Arbeit Cottbus, führte Anja Hummel.