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Besucherrekord beim 16. Hurricane-Festival

Musik

Besucherrekord bei der 16. Ausgabe des Hurricane-Festivals: Mit mehr als 73.000.Besuchern ist das Festival in Scheeßel eines der größten in Deutschland. Höhepunkte der diesjährigen Ausgabe waren unter anderem Auftritte von Die Ärzte, The Cure, Stone Roses, The XX und Beirut. Ein Festivalbericht.

Es gibt dreieinhalb Dinge, die man über das Hurricane-Festival wissen sollte. 1.) Am Festival-Wochenende regnet es mindestens einmal in Scheeßel. Meistens aber mehrmals 2.) Es spielen mehr als 100. Künstler. Meistens gleichzeitig, wahre Helden aber zum Schluss. 3.) Auch Security-Kräfte können dem Publikum einheizen und Fußball ist manchmal wichtiger als Musik.

Als die Deutschrocker von den Sportfreunden Stiller schon längst gerockt, Hip-Hop-Künstler Casper alles gesagt und die New Wave Bands The XX und The Cure alle verzaubert haben, ist es Zeit für Helden: Mit den Stone Roses betritt am Freitagabend eine Band eine der vier Festivalbühnen, die sich eigentlich schon längst aufgelöst, vergangenes Jahr aber wiedervereinigt hat. Die Musiker aus Manchester um Bandkopf Ian Brown waren während der späten 80er- und frühen 90er-Jahre stilprägend - vor allem für viele Britpop-Künstler. Das Konzert beim Hurricane ist das erste in Deutschland seit der Trennung.Von den mehr als 73.000.Festivalbesuchern stehen aber nur relativ wenige 0.30 Uhr vor der Bühne. Die flächigen Rocksongs („Playing to the crowd“, „Waterfall“) kommen an - vor allem bei den vielen mitgereisten englischen Fans. Eine Lehrstunde gibt es allerdings in Sachen Publikumsansprachen. Anstatt das Publikum zu loben, zieht Sänger Brown es vor, die Treue der Fans zu testen. Für den Applaus gibt es kein Danke, sondern ein ins Mikrofon gehauchtes „Fuck you“. Diese Proll-Pose haben sich Gruppen wie Oasis genau bei dieser Band abgeschaut.  Heldenbonus.

Dann ist ja da auch noch die Fußball EM. Das müssen The XX aus London spüren. Wollen die doch gerade zu „Crystalised“ anstimmen, als Philipp Lahm das 1:0.gegen die Griechen schießt. Während Sängerin Romy Madley Croft gerade auf den beiden riesigen Leinwänden der Green Stage zu sehen ist, blendet die Regie das Ergebnis auf der Leinwand ein. Mehrere Tausend Fans jubeln. Die Band versteht nicht sofort, unterbricht das Konzert. „Congratulations Germany“, sagt Croft, lächelt und fängt von vorn an. Fußballfan Ian Brown (Chiswick Homefields FC) von den Stone Roses hätte in diesem Moment wohl anders reagiert. Fuck you!

Wirklich ungewöhnlich sind auch die Security-Kräfte des Festivals. Als sich am Sonntag die Regel bestätigt, dass es bei jedem Hurricane mindestens einmal regnet, mimen die Ordnungskräfte die Einheizer. Während auf der Hauptbühne die Ärzte rocken und New Order auf der Mittelbühne Musikgeschichte zelebrieren, haben es die Folkmusiker von Beirut schwer. Entweder kann man in den Pausen die Lieder von den Nachbarbühnen aufgrund der Lautstärke mitsingen oder eisiger Regenwind fährt einem unangenehm in die Knochen. Die Sicherheitskräfte im Graben zwischen Bühne und Publikum scheinen das zu fühlen. Bevor die Stimmung zu kippen droht, lassen sie sich kurzerhand zu einer spontanen Choreografie hinreißen. Beim Balkanwalzer „Postcards from Italy“ führen die Herren eine Art Ausdruckstanz auf, für die es vom Publikum Szenenapplaus gibt.

Ansonsten bringen es die Deutschrocker von Kettcar auf den Punkt. „Dort hinten wird’s hell" heißt es in dem Stück „Nacht“. Beim stimmungsvollen Wechselspiel zwischen Wolkenbruch und Sonnenschein am Sonntag sehr wahr. Wenngleich Sänger Wiebusch beim dritten heftigen Regenschauer ins Mikrofon raunt: „Jedem, der „dort hinten wird es hell“ sagt, dürft ihr in die Fresse hauen.“

Glücklicherweise haben die Rettungskräfte beim Hurricane relativ wenig zu tun. 20 Körperverletzungen, 2000 ärztliche Behandlungen. Ein Gast hatte sich eine Salzstange ins Ohr gesteckt, die er nicht mehr rausbekommen hat.

 

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Gastautor: Alexander Dinger