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Ausbildung mit Behinderung

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Im September 2010 lebten laut statistischem Bundesamt 8,7 Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland, 7,1 Millionen davon werden sogar als schwerbehindert eingestuft (zur Erklärung: schwerbehindert ist man, wenn man einen Grad der Behinderung von mindestens 50% hat). Aber was bedeutet eigentlich „behindert sein“? Und was heißt das für die Karriere?

Zu meiner Person: Ich heiße Franka, bin 21 Jahre alt und mache eine Ausbildung zur Medienkauffrau Digital und Print bei der Lausitzer Rundschau.

Laut Sozialgesetzbuch gilt man als behindert, wenn körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder die seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem, für das Lebensalter typischen Zustand abweichen. Also ganz einfach: Du bist in einer deiner Fähigkeiten stärker eingeschränkt als andere in deinem Alter. Auf Antrag bekommen Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50% bei Versorgungsämtern einen Schwerbehindertenausweis.

Ich selbst habe einen Behindertengrad von 50%. Kurz zu meiner Geschichte. Als ich 11 Jahre alt war hatte ich einen Unfall, bei dem ich meinen rechten Unterarm verloren habe. Hört sich schrecklich an, aber es ist wie mit einer neuen Frisur - man muss sich erst mal daran gewöhnen. In meiner schulischen Laufbahn hatte ich keine größeren Probleme. Am Anfang war es ein wenig schwer sich auf die linke Hand umzustellen (ich war vor meinem Unfall Rechtshänder), aber mit viel Übung und Fleiß kann man ja bekanntlich alles schaffen. Nach der sechsten Klasse ging ich auf eine Integrationsschule. Das war ein ganz normales Gymnasium, das besondere Unterstützung für behinderte Menschen bietet. Bei Arbeiten und Klausuren bekam ich 30 % mehr Zeit als meine Mitschüler, was ich aber nie wirklich in Anspruch genommen habe. Ansonsten gab es für mich keine Sonderbehandlungen. Mein Abitur habe ich also wie alle anderen gemeistert. Nach der Schule ging es darum, was ich werden will und was ich überhaupt machen kann. Klar bin ich in einigen Lebenslagen eingeschränkt, aber das sollte mich nicht davon abhalten einen ordentlichen Beruf zu lernen. Eigentlich wollte ich mal Visagistin werden, aber jetzt kam im Grunde nur eine Ausbildung mit Bürotätigkeit in Frage, denn studieren wollte ich nicht.

Auch in meine Bewerbung musste natürlich alles rein, was die anderen auch brauchen: Anschreiben (wobei ich hier erstmals meine Behinderung erwähnte), Lebenslauf, Zeugnisse. Ich hatte nur einen Zusatz, eine Kopie meines Schwerbehindertenausweises. Der gehört dazu, denn, falls ihr es nicht wisst, größere Unternehmen, die Behinderte einstellen, bekommen für sie eine Förderung. In meinem Fall bezahlt die Agentur für Arbeit einen bestimmten Teil meines Lehrlingsgehaltes.

Beworben habe ich mich zuerst bei kleineren Agenturen als Mediengestalter, doch es kamen nur Absagen oder es hat sich bis heute keiner mehr gemeldet. Meine Mama gab mir dann den glorreichen Tipp, die Lausitzer Rundschau suche noch Azubis. Und wie man sieht, hat es geklappt. Danke Mama! Mein Bewerbungsverfahren war genau wie das der anderen: Assessment-Center und Vorstellungsgespräch. Danach bekam ich einen Anruf, ob ich denn nicht ein Praktikum im Medienhaus absolvieren wolle. Dabei ging es darum herauszufinden, ob ich trotz meines Handicaps geeignet bin, alle Aufgaben in der Ausbildung zu meistern. Natürlich musste noch alles mit dem Arbeitsamt abgeklärt werden, dass das mit der Förderung klappt. Hat es dann auch und so konnte ich mein Praktikum fortsetzen bis die Ausbildung anfing. Ich wurde von Anfang an als ganz normaler Mitarbeiter angesehen und behandelt.

Klar, wurde ich manchmal gefragt, ob es geht, wenn ich eine Aufgabe bekommen habe, und ob ich das schaffe. Aber bisher konnte ich alles so erledigen wie es sein sollte. Wenn ich doch mal Hilfe brauche, frage ich ganz einfach und die Kollegen helfen mir.

Man braucht wirklich keine Angst zu haben, wenn man eine Behinderung hat. Mein Handicap ist jetzt nicht so stark, dass ich kaum noch etwas machen kann, aber auch für Menschen mit einer schwereren Behinderung findet sich ein Plätzchen in einem Unternehmen. Viele Firmen suchen sogar nach solchen Menschen, um auch Ihnen gute Perspektiven zu bieten.

 

Schon gewusst?

  • Laut Sozialgesetzbuch stehen behinderten Menschen mehr Urlaubstage zu (§125 Abs. 1 SGB IX)
  • Am 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung
  • Ab einer Anzahl von 5 schwerbehinderten Menschen in einem Unternehmen wird eine Schwerbehindertenvertretung und mindestens eine Stellvertretung gewählt
  • Jedes Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern muss eine Behindertenquote von 5% erfüllen, sonst müssen sie eine Ausgleichsabgabe zwischen 100 und 300 Euro pro nicht besetztem Arbeitsplatz zahlen