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Assessment Center: Fluch oder Segen?

Bewerbungsverfahren

Ein englisches Wort, "Assessment Center" hat den deutschen "Einstellungstest" abgelöst. Was passiert, wenn zu so einem Assessment Center eingeladen wird? Was sollte man beachten? Wie sollte man sich vorbereiten und woher kommt das alles überhaupt? Letztendlich stellt sich die Frage; für wen sind Assessment Center sinnvoll und für wen nicht?

 

"Assessment" bedeutet "Beurteilung". Wir befinden uns hier also in einem "Beurteilungscenter". Neumodisch klingt das Wort Assessment Center. Die Herkunft ist aber interessant. In China gibt es sogenannten "Testbatterien". Diese funktionieren wie Psychologietests und enthalten vor allem Prüfungen über Motivation, Intelligenz und Leistungspotential. Diese Tests werden vor allem für öffentliche Berufe in China angewendet, um geeignetes Personal zu finden.

Assessement Center: Wer hat's erfunden?

Tatsächlich geht die Geschichte des Assessment Center aber noch viel weiter zurück. So neu das Wort auch klingen mag, erste Vorläufer gab es bereits 1920. In der damaligen Reichswehr gab es verschiedene psychologische Testverfahren, die über die Universität Berlin durchgeführt wurden. Offiziere wurden so gezielt auf Tauglichkeit überprüft. Ab 1927 war dann ein sogenanntes heerespsychologische Auswahlverfahren Pflicht. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden diese Tests von den Briten und Amerikanern übernommen. Die USA nutzte sie in den 60ern vor allem für die Suche nach neuen Agenten. In den USA wurde dieses Verfahren damals noch Management Progress Study genannt.

Das Assessment Center hat also einen deutschen und chinesischen Ursprung. Es ist überhaupt nichts neues statt einem Einstellungstest auch die Persönlichkeit zu testen.

Was passiert in einem Assessment Center?

Bei einem Assessment Center gibt es eine Art Jury, meistens aus den Personalbereich des jeweiligen Unternehmens und noch einigen Fachkräften. Diese beurteilen das Auftreten der potentiellen Auszubildenden. Die Zahl der Teilnehmer ist unterschiedlich. Möglich sind Assessment Center von 3 bis 15 Teilnehmern oder sogar noch mehr. In der Regel gibt es zunächst eine Vorstellungsrunde, manchmal schon mit einer kreativen Aufgabe verbunden. Beispielsweise etwas ganz besonderes über sich hervorzuheben und Stärken und Schwächen zu nennen. Fester Bestandteil ist meistens eine Diskussionsrunde und eine Präsentation. Alles Dinge, auf die man sich langfristig vorbereiten kann. Kurzfristiges lernen bringt hier in der Regel wenig.

Präsentationsfähigkeit, Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Führungsfähigkeiten werden so bereits getestet. Daher sind Assessment Center vor allem für Berufe in denen Kommunikation, Führungskraft und Verantwortung wichtig sind der Regelfall.

Tipps für das Assessment Center

  • Oberste Priorität: Klappe auf! Ihr seid schließlich nicht hier um zu schweigen (Sonst wird es nichts mit der Stelle)
  • Selbstbewusst auftreten. In der Regel habt ihr Leute vor euch, die ihr gar nicht kennt. Das kann für den ein oder anderen beängstigend sein, ist aber eigentlich ein Vorteil. Ihr werdet neutral beurteilt, ohne Vorurteile und habt die Möglichkeit auch als schüchterne Persönlichkeit zu überzeugen.
  • Positiv denken. So hart es zwar klingt "Klappe auf", so simpel ist es. Ihr könnt nichts verlieren, allein die Tatsache, dass ihr bereits eingeladen worden seid zeigt, dass ihr Aussichten auf den Job habt. Am Anfang sind diese Chancen für jeden gleich. Im Endeffekt könnt ihr dabei nichts verlieren, lieber zwei mal mehr etwas sagen, als gar nichts. Denn jemand der nichts sagt, hat einfach keine Chance. Wenn ihr aber erst einmal angefangen habt euch Gehör zu verschaffen, dann zeigt ihr damit, dass ihr präsent seid und bleibt bei der Jury im Kopf.
  • Die anderen sind Konkurrenz - oder doch nicht? Klar sind die anderen Mitbewerber um vielleicht eine Ausbildungsstelle. Dennoch führt Neid, Missgunst und Kampfgeist nur bedingt zum Ziel. Seht für das Assessment Center die anderen als Mitarbeiter an, nicht als Feinde. Versucht auch eure eigene Sicherheit dazu zu nutzen, die anderen zu verunsichern.
  • Von Anfang an Vollgas. Am Anfang erst mal chillen und abwarten? - Ne ist nicht. Der erste und der letzte Eindruck bleibt. Und das dazwischen natürlich auch. Feststeht, wer am Anfang bereits positiv auffällt, der hat es im Verlauf leichter öfter positiv aufzufallen. In der Regel zieht sich ein guter erster Eindruck bis zum Ende durch.
  • Nicht verunsichern lassen. Im Assessment Center sollen arbeitsnahe Situationen geschaffen werden. Das heißt es ist beabsichtigt, dass ihr beispielsweise in der Diskussionsrunde vor ein Problem gestellt werdet, mit dem ihr gar nicht fertig werden könnt. Ihr werdet möglicherweise absichtlich verunsichert, dann ist ganz wichtig einfach weiterzumachen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Seid locker und entspannt, aber auch zielstrebig und zieht euren Kurs von Anfang an bis zum Ende durch.
  • Letztlich ist es natürlich auch oft unfair, wie beurteilt wird. Euch gegenüber sitzen auch nur Menschen die ihren Job machen. Daher ist vor allem Ehrlichkeit und Offenheit wichtig. Versucht euch nicht anders zu geben als ihr seid. - Ja solche Floskeln hört man ungern, helfen nichts und sind schwer umzusetzen, aber leider eben auch wahr.
  • Das Auftreten - Dazu kann ich euch leider nicht mehr sagen als: Der erste Eindruck zählt. Modetechnisch bin ich sicher nicht der Kenner im Planbar-Team, da wird sicher noch jemand anderes demnächst einen Beitrag drüber schreiben 😉
  • Grundlegend: Nicht overdressed, saubere Kleidung. Es kommt natürlich immer auf das Unternehmen an. In einem Medienhaus sollte man sich natürlich anders kleiden als in einer Bank.
  • Eure Chance - Seht das Assessment Center nicht als Hindernis - sondern als Chance. Ihr habt es selbst in der Hand, ohne langweilige Einstellungstestfragen die Ausbildung zu bekommen. Alles was zählt ist euer auftreten.
  • Wissen - Allgemeinwissenstest sind dennoch in vielem Assessment Centern enthalten. Sich auf diese gezielt vorzubereiten ist schwierig. Bundesländerhauptstädte, aktuelle Politik und vor allem Mathematikgrundkenntnisse werden oft abgefragt.
  • Wissen über das Unternehmen. Die klassische Frage: Warum bewerben Sie sich ausgerechnet bei uns? - Ist schwer zu beantworten. Da diese aber immer gestellt wird, entweder direkt oder versteckt, kann man sich hierdrauf gut vorbereiten. Informiert euch über das Internet über das Unternehmen und lernt einige Stichpunkte. Leiert aber nicht einfach nur irgendwelche Informationen runter, sondern verknüpft diese geschickt mit euren Fähigkeiten. Also beispielsweise: Das Unternehmen ******** vor allem technologisch auf neustem Stand. Es gibt eine App [....] (nun der Punkt was das ganze mit euch zu tun hat.) Ich selber nutze täglich verschiedene Medien und habe bereits viele Erfahrungen gemacht, wie zum Beispiel [...]


Wie stehen meine Chancen im Assessment Center?

CareerSinnvoll sind solche Assessment Center eben vor allem für Berufe in denen es um Menschenkontakt geht. Probleme haben hier vor allem eher stillere Bewerber. So kann es natürlich passieren, dass jemand mit viel Fachwissen aber wenig Selbstbewusstsein die Chance auf eine gute Ausbildung verwehrt bleibt. Generell bleibt von einem Assessment Center in dem man abgelehnt wird eher ein schlechter Eindruck. Doch davon sollte man sich auf keinen Fall entmutigen lassen, denn für den nächsten Assessment Center hat man dann wieder was dazu gelernt. In der Vorbereitung solltet ihr euch einen Text, in dem ihr euch selber vorstellt überlegen. Zudem vielleicht noch freies sprechen üben, indem ihr euch selber aufnehmt oder vermehrt Vorträge in der Schule haltet. In dieser Hinsicht kann man die Schule wirklich gut für solche Momente nutzen. Wer gut vortragen kann, hat auch gute Chancen im Assessment Center eine gute Figur zu machen.

Erst denken, dann reden

Dennoch sollten sich diejenigen, die vielleicht eher lieber weniger als zu viel sagen nicht entmutigen lassen. Quatschen ist eben nicht alles im Assessment Center. Wichtig ist auch, dass man sein Gehirn einschaltet bevor man die Klappe aufmacht. Wie im echten Leben. Seid während der Diskussion voll dabei und überlegt euch die ganze Zeit Argumente mit. Bringt euch dann zum richtigen Zeitpunkt ein und versucht auch mal einen "lauteren" zu unterbrechen. Nicht unhöflich aber bestimmt.  Ein weitere Tipp für die Diskussion: Versucht nach ein paar Minuten (es gibt Zeitangaben, wie lange so eine Diskussion dauern soll) ein Fazit zu ziehen, oder zu Beginn gleich das Wort zu ergreifen und eine Einleitung zum Thema vorstellen. So könnt ihr einen geordneten Eindruck machen.
Letztendlich entscheidet die Jury, ob ihr das gefällt was ihr tut oder nicht. Die Gründe für den Erfolge oder das Scheitern wird man nie erfahren. Deshalb gebt euer bestes und sagt so viel und oft etwas, dass ihr mit euch selbst zufrieden seid.

Es gibt natürlich noch viele weitere Tipps, aber diese sind meiner Meinung nach am wichtigsten. Denkt einfach daran, dass ihr dieses Assessment Center nutzt, die Klappe aufmacht, euch super präsentiert und selbstbewusst auftretet. Denn ihr seid einfach gut und habt's drauf. Schließlich lest ihr ja Planbar 😉