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Alles außer gewöhnlich

Ausbildungsfinder

Nach einem guten Schulabschluss eine Ausbildung im Wunschberuf, anschließend Übernahme und Festanstellung in dem gewählten Beruf – viele Schüler stellen sich ihren beruflichen Werdegang so oder so ähnlich vor. Geradlinig. Doch nicht nur nach der Schule habt ihr die Qual der Wahl zwischen unterschiedlichen Berufen, auch nach der Ausbildung stehen euch viele Wege offen, auch jenseits eures Ausbildungsberufs. Wieso nicht zum Beispiel als Mediengestalter/in Karriere in der Gastronomie machen? Solche ungewöhnlichen Lebensläufe sind keine Seltenheit mehr. PLANBAR traf sich mit André Malarczuk, um ihn zu fragen, wie er Chef der Alten Chemiefabrik und der D-Print Agentur geworden ist.

Sie haben eine Ausbildung zum Mediengestalter absolviert. Wie kam es dazu? Wollten Sie schon immer einen kreativen Beruf erlernen oder sind Sie da mehr oder weniger „reingerutscht“?

Reingerutscht kann man nicht sagen. Ich war einer der Ersten in Deutschland, die diesen Beruf erlernt haben. Wir waren nur drei in der Klasse, die diese Ausbildung bekommen haben. Das war ein ganz neues Berufsbild: Mediengestalter ohne Studium. Und da für mich klar war, ich wollte etwas technisches, computergestütztes, aber auch Kreatives machen, habe ich mich dafür entschieden. Dann habe ich mich in Weißwasser beworben und da ging es dann auch schon los.

 

Sie haben während der Ausbildung auch in Leipzig und Dresden gewohnt. Wie kam es dazu?

Dadurch, dass es ein ganz neues Berufsbild war, wusste die IHK auch nicht so richtig, wo und wie sie den Beruf ausbilden. Wir hatten das erste Jahr Berufsschule in Dresden und das zweite und dritte Jahr habe ich dann in Leipzig gelernt. Der große Vorteil für uns war, dass die Autoren unserer Lehrbücher gleichzeitig unsere Lehrer waren. Die haben also unterrichtet und nebenbei die Lehrbücher geschrieben. Wir saßen also sozusagen direkt an der Quelle.

Und nach diesen zwei tollen Großstädten sind Sie trotzdem wieder zurück in die Lausitz gekommen?

Eigentlich hatte ich ja noch meinen Vertrag in Weißwasser. Dort habe ich dann aber aufgehört, weil es einfach zu chaotisch lief. Dann habe ich bei der Grundbuchdruckerei angefangen, um die Lehre dort zu beenden. Nach Abschluss der Lehre hatte ich dann drei Angebote: bei der Grundbuchdruckerei, Satzleiter beim Märkischen Boten oder eine Firma zu gründen. Der Bote hat zwar das meiste Geld geboten, aber wir haben gesagt, wir machen was Neues, also gründeten wir D-Print.

Was genau hat es mit diesem „Teenmodel of the World“ auf sich?

Dadurch, dass ich Gestalter bin, haben wir viel Satzarbeit  für den Gastronomie- und Hotelbereich gestaltet.  Wir haben viele Kontakte geknüpft und  angefangen, auch Künstler zu vermitteln. So kamen wir dann auch zum Messebau, wo wir angefragt wurden, ob wir nicht auch noch das Catering übernehmen können. Wir haben uns schnell ein großes Netzwerk in Deutschland aufgebaut. Die Tournee „Teenmodel of the World“ entwickelte sich daraus. Das habe ich ans Mosquito vermittelt, der Chef ist aber wieder abgesprungen und wir dachten uns: „Dann machen wir es eben alleine.“ So haben wir dann eine Woche lang eine Promotour veranstaltet und sind durch Cottbus, den Spreewald und die ganze Lausitz gezogen. Mit Fernsehsendern und Radio haben wir das einfach durchgezogen. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, wobei wir als Veranstalter doch ziemlich über den Tisch gezogen wurden, da uns auf dem Gebiet noch die Erfahrung fehlte.

Was würden Sie unseren jungen Lesern empfehlen? Einfach machen, weil man Spaß hat oder doch besser durchplanen?

Eine solide Ausbildung ist der Grundstein. So haben auch wir angefangen, denn man muss ja auch erst mal irgendwie zu Geld kommen. Dann sollte man sich ausprobieren. Woran habe ich Spaß? Was kann ich? Wichtig ist auch, sich in verschiedenen Firmen zum Beispiel durch Praktika auszutesten.

Was denken Sie, warum lohnt es sich, hier zu bleiben?

In Cottbus kann man schnell einer der Besten werden. Wenn man sich Mühe gibt, kann man hier ganz vorne mit dabei sein. Cottbus ist etwas kleiner und in einer Großstadt ist man einfach einer unter Tausenden. Außerdem natürlich die Heimatverbundenheit, was bei mir auch sehr wichtig war. Einfach ist es nicht, aber wenn man genau weiß, was man will, kann man das hier in der Region schnell erreichen.

Was zählt für Sie hier mehr? Gute Noten in Mathe oder doch eher soziale Kompetenzen und wie war es in Ihrer Schulzeit?

Soziale Kompetenz! Ich selber habe nie großartig gelernt, sondern mich eher immer so mit Drei durchgemogelt. Wichtig ist, dass man überzeugt und Persönlichkeit hat. Heutzutage würde es mich nicht wundern, wenn ich hier einen Abiturienten sitzen habe, der kaum lesen und schreiben kann, geschweige denn rechnen. Allerdings muss man für sich selber wissen, was man arbeiten will und kann.