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„Skalpell und Tupfer bitte.“

Reportagen

So sprechen Chirurgen im Fernsehen ihre Assistenten bei den Operationen an. Doch die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. In Deutschland tragen neben den Operateuren, Assistenzärzten, den Anästhesisten und den Pflegekräften auch die Operationstechnischen Assistenten zum Erfolg einer Operation bei. Obwohl es diesen Beruf, kurz OTA genannt, seit Ende der achtziger Jahre gibt, können die Wenigsten etwas mit dem Berufsbild anfangen.

Für die einundzwanzigjährige Franziska Schmiedl aus Cottbus war nach einem Praktikum im Carl-Thiem-Klinikum schnell klar, dass nichts anderes für sie in Frage kommt. Sie ist eine von drei Auszubildenden, die diesen Beruf zurzeit im CTK erlernen. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem Operationen vorzubereiten und dem Chirurgen beim operieren zu assistieren. Dabei muss ein OTA selbstständig wissen, welche Instrumente gebraucht werden und welches hierbei wann dem Operateur zu reichen ist. Die verschiedenen Operationsabläufe müssen bekannt sein. „Der typische Tagesablauf beginnt mit dem Einschleusen in das OP-Zentrum. Dazu müssen Hygienevorschriften beachtet werden.“ erzählt Franziska. Nach dem sie auf dem Tagesplan geschaut hat und weiß in welchem OP-Saal sie eingesetzt ist, hat sie diesen mit den entsprechenden Materialien und Instrumenten vorzubereiten.  Auch die benötigten technischen Geräte müssen überprüft werden und die Dokumentation über den Patienten muss bereitliegen. Wenn sich Franziska über den Patienten informiert hat, hält sie Rücksprache mit dem Operateur, der Anästhesie und den anderen Kollegen. Für sie ist gute Teamarbeit sehr wichtig. „Als Einzelgänger schafft man die Arbeit nicht.“ Nach einer Operation werden Skalpell, Klemmen, Haken und andere Instrumente zur Sterilisation gegeben und diverse Einwegmaterialien entsorgt. Dann geht es zur nächsten OP.

Das klingt alles kompliziert, doch auch Franziska wurde nicht gleich ins kalte Wasser geschubst. „Zu Beginn der Ausbildung hatten wir verschiedene Praktika, zum Beispiel auf einer operativen Station, der Notaufnahme und der Endoskopie*. Dort konnte ich erste Erfahrungen im Umgang mit den Patienten sammeln.“ Auch in der Instrumentenaufbereitung (der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung) hatte sie ein Praktikum. Beim Sterilisieren lernte sie ihre späteren “Werkzeuge“ kennen. „So konnte ich die Zusammenhänge zwischen den Arbeitsabläufen erkennen, was sehr wichtig ist.“ Auf die Frage wie viel Verantwortung den Azubis überlassen wird, reagiert sie  gelassen. „Die Azubis haben schon Verantwortung zu tragen, aber immer der Situation und dem eigenen Wissensstand entsprechend.“ Im 1. Lehrjahr war sie, wie auch ihre Azubikollegen, nicht auf sich allein gestellt. „Am Anfang wurden wir von Praxisanleitern begleitet. Es ging immer eine OP-Fachschwester mit einem mit.“ Dirk Vogt-Räther, Pflegeleiter für den operativen Bereich im CTK, ergänzt: „Den Azubis wird nur so viel Verantwortung übertragen, wie es die Ausbildungsrichtlinien der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) zulassen“.

Nach diesen Richtlinien bildet das CTK die OTA-Azubis aus. So sollen die Fertigkeiten die sie erlernen dem Anforderungsprofil eines OP- Zentrums im Krankenhaus entsprechen. Obwohl  die Ausbildung zum OTA seit 1996 von der DKG anerkannt ist, gibt es bis heute keine einheitlichen Berufsausbildungsrichtlinien. Immer wieder kommt es seitens politischer Vertreter der Länder zu Versuchen dies zu regeln, jedoch bisher ohne Erfolg. So ist die Ausbildung weiterhin von Ausbildungsträger zu Ausbildungsträger sehr unterschiedlich.“ teilt Herr Vogt-Räther mit. Aber die Ausbildung am Brandenburgischen Bildungswerk für Medizin und Soziales e.V. in Potsdam genießt einen sehr guten und fundierten Ruf. „Dort werden wir in Fächern wie Berufsfachkunde, Hygiene, Mikrobiologie und Chirurgie unterrichtet.“, erwähnt Franziska. Weitere Fächer sind Chemie, Physik, Medizintechnik, Anatomie, allgemeine und spezielle Krankheitslehre und Anästhesie. Auch über Strahlenschutz beim Röntgen oder Datenschutz werden die Schüler informiert. Insgesamt hat Franziska während der dreijährigen Ausbildung 1600 Stunden Theorie und mindestens 3000 Stunden Praxis zu absolvieren.

Was den Krankenhausalltag anbelangt, musste sie auch einige Hürden meistern. Überwindung hat es sie zu Beginn gekostet ihre Arbeit auch am Arbeitsplatz zu lassen. „Manche Patientenschicksale können schon bedrückend sein.“ erklärt sie. Damit die OTAs solche Schicksale nicht mit nach Hause nehmen, müssen sie körperlich und geistig belastbar sein. Weitere Voraussetzungen für den Beruf sind mindestens der Hauptschulabschluss und die Berufstauglichkeit. Letztere wird vor der Ausbildung vom Betriebsarzt überprüft. Wichtig dabei sind der Impfstatus und eine gute Gesundheit. Ansonsten gelten die gleichen Grundtugenden wie bei jeder anderen Ausbildung: Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, Höflichkeit und vor allem Flexibilität. Gerade weil OTAs flexibel einsetzbar sind, sind sie wichtige Partner in der deutschen Krankenhauslandschaft geworden. Sie können nicht nur im OP arbeiten, sondern auch in der Notaufnahme, bei der Sterilgutversorgung, der Endoskopie und in ambulanten OP-Zentren. Franziska hat noch einen Tipp für zukünftige OTA-Azubis. „Ein Praktikum ist immer ratsam, so erfährt man wie belastbar man ist, oder ob man beispielsweise Blut sehen kann.“ Für ihre eigene Zukunft hat sie bereits Pläne geschmiedet. „Erst mal will ich meine Ausbildung abschließen und Erfahrungen sammeln. Wenn sich später Möglichkeiten zur Weiterbildung ergeben, werde ich diese bestimmt nutzen.“

* Endoskopie = heißt wörtlich “in das Innere sehen“. In der Medizin versteht man darunter die Betrachtung von Körperhöhlen und Hohlorganen mithilfe eines Endoskops.